MACHT LEBENSMITTEL !

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Für eine resiliente regionale Landwirtschaft !

 

Glyphosat-Vergiftung, Bienensterben, Konzernfusionen, Billigmilch, prekäre Arbeit, Klima-Verwüstung, Landgrabbing, industrielle Massen-Tierhaltung, Saatgutmonopole, Bio-Piraterie, Nahrungsmittel-Spekulation, Monokulturwüsten … und, was verbindest du so mit Landwirtschaft?

Die derzeitige Machtverteilung in Ernährungsfragen ist nicht nur ungerecht, sie wird in den nächsten Jahrzehnten eine entscheidende Rolle in der nachhaltigen sozialen und ökologischen Verwüstung oder dem Erhalt unseres Planeten spielen. Weiter-wie-bisher ist keine Lösung!

Wir wollen einen umfassenden gesellschaftlichen Strukturwandel anstoßen, der eine kleinteilige, relokalisierte, sozial-gerechtere und ökologischere Lebensmittelproduktion und Ressourcenverteilung einfordert und vor allem fördert und möglich macht. Hierfür gingen wir im Rahmen des Agrikulturfestivals 2016 auf die Straße.

Wir stellten die Machtverteilung im Agrar-Sektor in Frage und zeigten Perspektiven eines Übergangs zu einer zukunftsfähigen Landwirtschaft auf. Wir riefen auf zur kreativen Beteiligung am „MACHT-Lebensmittel-„Umzug, hin zum Agrikulturfestival 2016.

Die angemeldete Demonstation „Agrikultour“ mit Traktoren, Lasten-Fahrrädern und Musik begannt am Freitag, den 22. Juli, um 16 Uhr auf dem Holzmarkt in Freiburg und zog zum Agrikulturfestival im Eschholzpark (Stühlinger).

 

1. Was uns den Appetit verdirbt

 

Die Landwirtschaft kommt nicht aus den Schlagzeilen. Die globale Schieflage in Sachen Ressourcenverteilung findet im agro-industriellen Komplex einen furchtbaren Ausdruck, der weltweit zu Vertreibung, Hunger, Ausbeutung und beschädigten Öko- und Kultursystemen führt. Die Landwirtschaft ist sowohl Mittel als auch Ursache zahlreicher Ungeheuerlichkeiten im Poker um die Macht der Nationen und Konzerne auf diesem Planeten.

Kapitalistische Interessen unterdrücken das eigentliche Potential der Lebensmittelwirtschaft, die auf Wissen beruht, das über Jahrhunderte weiter entwickelt wurde und Ursprung wertvoller kultureller Praktiken ist. Die Agrar-Industrie erlebt heute eine kolonialistische Renaissance – millionen Hektare sind derzeit im Fadenkreuz der großen SpielerInnen des Agro-Business. Derweil machen hierzulande Konzern-Fusionen und -Übernahmen Schlagzeilen.

So war der Bayer-Konzern aus Leverkusen im Juli 2016 gerade dabei den Gentechriesen Monsanto zu schlucken. ChemChina war sich mit dem Basler Chemie- und Saatgutriesen Syngenta bereits über eine Fusion einig geworden und hatte noch vor wenigen Monaten den Kassler Waffenkonzern KMW geschluckt. Bereits im Jahr 2015 brachte die Mega-Fusion zwischen Dow Chemical und Dupont Bewegung in den agro-industriellen Komplex. Dadurch entstehen gefährliche Allianzen – die Verquickung von Chemie-, Waffen- und Agrarwirtschaft ist nicht erst seit gestern ein Problem für den selbstbestimmten Zugangs zu Lebensmitteln und Land.

Die Agro-Industrie verkauft ihre Produktionstechnologien als Lösung gegen Hunger und behauptet Wohlstand für alle zu wollen. In weiten Teilen arbeitet der Sektor jedoch entgegen einer würdigen Lebensperspektive für viele. Sichtbar wird dieses Business auch in der Praxis vor unserer Haustür, wo 1.000-Hektar-Betriebe mit 1.000 schlecht bezahlten Arbeitsmigrant*innen Spargel für argentinische und niedersächsiche Supermärkte stechen etc.

Wenn aktuell klar wird, dass die großteilige Förderung industrieller Lebensmittelketten und neoliberalem Freihandel die Kultur nachhaltiger und wertschöpfender Landwirtschaftsformen verdrängt, ist es Zeit diesen Entwicklungen den Kampf anzusagen und vielfältigen Widerstand entgegenzubringen. Nicht das Konsumverhalten alleine wird die unappetitlichen Realität von Discountern und Agro-Business beenden. Dafür brauchen wir die aktive Förderung und Organisierung lokaler und selbstbestimmter Produktionsstrukturen und Arbeitsformen.

 

2. Our Planet – not your Business!

 

Eine Lebensmittelwende ist nur mit einer Energiewende zusammen zu denken – nicht die „Energiewende“ neoliberaler Staaten – nein – wahre „Transition“: ein Übergang zu etwas ganz anderem.

Mittlerweile verursacht der Lebensmittelsektor über 40% der menschengemachten Treibhausgase. Eine weitreichende Relokalisierung der Lebensmittelfrage könnte einen greifbaren Schlüssel gegen die planetare Überhitzung darstellen. Dafür müsste allerdings viel entgegen der verknüpften Interessen der Konzerne und Staatslenker*innen passieren, denn Sie alle verdienen an (beispielsweise) folgendem Modell mit:

Nehmen wir eine irgendwo in Europa stattfindende Soja-Saatgutproduktion. Der Weg führt den Rhein entlang in den Ozean. Ein Weg der rüber nach Brasilien führt, wo die Saat auf militärisch, „von Indigenen und KleinbäuerInnen befreitem Land“ ausgesät und nach der Ernte in großen Containern zurück nach beispielsweise Bremerhaven geht. Dort wird das Sojamehl als Futter in bosnische Küken gestopft, deren Scheiße mit LKW bis in die polnische Steppe transportiert wird, da Niedersachsens Grundwasser nicht noch mehr Nitrat aufnehmen kann. Letztlich wandert dann das Mastobjekt nach seiner Zerlegung durch osteuropäische Saisoniers, die für eine spanische Firma in Osnabrück arbeiten, in Kühllastwagen zu je einem Drittel in die EU, nach Afrika und nach China …

Im Bereich der Agro-Industrie wird deutlich, wieviel Macht in der Eroberung ganzer Lebensbereiche steckt, und wie deren Verquickung das große Geld sprudeln lässt. Dieser Wahnsinn läuft dann unter den Stichwörtern „Förderung strukturschwacher Regionen“, „Entwicklungszusammenarbeit“ und „Wachstumsinitiativen“. Derweil rollen die Planierraupen, entstehen Größtbetriebe und „altes Wissen“ wird ungeniert entsorgt. Land wird gewaltsam und mafiös gekapert und die Flucht von Millionen gefördert. Dabei ernähren Kleinbäuerinnen und Kleinbauern noch immer große Teile der Erde.

In ihren Kämpfen gegen die mächtigen Nationen und Konzerne des Nordens sind sie jedoch meist machtlos. Stehen wir ihnen zur Seite!

Auch hierzulande werden weitreichende Veränderungen erwartet, was die Zukunft der Landwirtschaft und Ernährung betrifft. Zwar gibt es noch einige Umweltbewegte und Öko-Radikale. Der Trend geht jedoch schon lange in eine Abhängigkeit der soeben geschilderten globalisierten Ketten. Ob CETA oder TTIP – dem weiteren ungehemmten Ausbau der neoliberalen Globalisierung steht in Deutschland vermeintlich bald nichts mehr im Wege … Doch wir werden den Ausverkauf dieses Planeten und dessen Bewohner*innen Menschen stoppen!

 

3. Wo wir hin wollen

 

Ein radikaler Wandel hin zu einer wachstumskritischen und bedürfnisorientierten Landwirtschaft muss eingeleitet werden, wenn das Desaster des globalen Supermarktes zuungunsten von Mensch und Natur ein Ende nehmen soll.

Um klar zu stellen, wohin wir wollen, genügt es nicht, mit Schlagworten und Parolen zu werfen. Wir müssen progressive gesellschaftliche Strukturen und Lebensweisen selbst entwickeln und sie für die Zukunft denken. Es gilt Schlagworte wie Solidarität, Selbstverwaltung, Nachhaltigkeit und Relokalisierung mit realer produktiver Politik zu füllen – hier und jetzt.

Dafür sollten wir mit einer Definition dessen beginnen, was der Lebensmittelbereich für uns Landwirt*Innen, Verbraucher*Innen oder Prosument*innen gegenwärtig bedeutet und künftig ausmachen könnte. Wir müssen real-utopische Bilder zeichnen. Die Aufgabe der Landwirtschaft ist es, uns zu ernähren und das Ökosystem zu kultivieren, ohne es nur zu verbrauchen. Nachhaltige Landwirtschaft heißt, auch mit Rücksicht auf kommende Generationen zu wirtschaften, und Agro-Ökologie auch jenseits der reinen Finanz-Ökonomie zu denken. Lebensmittel sind keine Ware und sollten als Gemeingut gelten. Herstellung, Verarbeitung und Verbrauch von Nahrung muss in den Mittelpunkt des Lebens.

Um eine Wende herbeizuführen wollen wir also, dass eine sich selbst ermächtigende Bewegung entsteht, die das Projekt „zukunftsfähige Landwirtschaft“ in ihre Hände nimmt und sichtbaren Wandel umsetzt. Die kleinbäuerliche Arbeit auf der ganzen Welt muss erleichtert und emanzipatorisch weiterentwickelt werden. Es braucht eine ganz andere Anerkennung für Kleinbäuer*innen und eine viel höhere Beteiligung der Gesellschaft an der agro-kulturellen Wertschöpfungskette. Es braucht ab sofort weltweite Anstrengungen, um nachhaltiges Wirtschaften zu fördern und die Überindustrialisierung zu beenden.

Es braucht für diese Transition eine große Menge solidarischer Anstrengungen und Kämpfe, die sich ergänzen, und von unten die Welt von morgen erbauen und entfalten. Seien es die Widerstände von Kleinbäuer*innen in Brasilien, Andalusien und Mali oder der Widerstand von Großprojektgegner*Innen im Susa-Tal, der Bretagne oder Lothringen: der Wandel findet statt, wenn wir es tun!

Die Veränderung der Landwirtschaft beginnt auf dem Acker, nicht erst auf dem Teller!

Macht Lebensmittel! Ökologisch. Lokal. Solidarisch.

Eine andere Landwirtschaft ist möglich!

 

Forum Regionale Ernährung Entwickeln

Solidarische Landwirtschaft

Solidarische Ökonomie

Ideen und Praxis Solidarischer Ökonomien

GartenCoop Freiburg

Luzernenhof Buggingen-Seefelden

Lebensgarten Dreisamtal

Wurzelwerkstatt Emmendingen-Windenreute

Hof am Dorfbach Eichstetten

Backhaus der Vielfalt Freiburg-Sankt Geogen, Terlaner Platz

BienenCoop Freiburg

Braukollektiv Freiburg

Urbane Gärten Freiburg

Gartenpaten

Kattendorfer Hof bei Hamburg

Kartoffelkombinat bei München

Longo Mai-Kooperative

 

Ackergift Glyphosat

Ackergifte Nein Danke

Monsanto Tribunal

Wir habe es satt Kongress

 

 

Rosenheimer Projekt seit 2001

Die Bodengesundheit und die empfindliche Humusschicht wird aufs Spiel gesetzt. Mit solchen Argumenten erreichte Fischer, seinerseits selbst Landwirt, seine Kollegen. Zusammen mit Landwirten aus seiner Region entwickelte er das »Rosenheimer Projekt«. Seit mehr als 15 Jahren treffen sie sich regelmäßig, um ihre Erfahrungen mit alternativen Methoden in der Landwirtschaft auszutauschen. Als Ergebnis der Bemühungen kann dort heute eine deutliche Verbesserung der ökologischen und ökonomischen Gesamtsituation der landwirtschaftlichen Betriebe vermerkt werden. Die Gemeinschaft ist seitdem stetig gewachsen und vereint mittlerweile ca. 1.000 Landwirte, die nach den Prinzipien des »Rosenheimer Projektes« arbeiten. Die Hauptkomponenten, die dabei zur Anwendung kommen, sind unter anderem die effektiven Mikroorganismen, Gesteinsmehl und Pflanzenkohle. Es gibt regelmäßig landwirtschaftliche »EM-Stammtische«, Feldbegehungen, Vorträge, Seminare, Betriebsbesichtigungen und Lehrfahrten. Informationen finden Interessierte unter: www.em-chiemgau.de

Projekt Südbaden

 

About Jörg Beger

Comment

  • Gabi Wiedemann

    20. August 2016 at 06:24

    Das ist ganz meine Meinung! Regional, saisonal und biologisch einkaufen gehört dazu und regionale Kreisläufe schaffen. Regionalgeld….

  • Jörg Beger

    3. September 2016 at 14:09

    Nachdenken mit Andreas Popp über Selbstversorgung (?) mit Lebensmitteln – Nahrungsmittel und Fremdversorgung (!) mit Füllmittel

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