Auf dem Weg zur Geldwende

Bürgerschaftliches Engagement für eigenes Geld und für die Förderung kooperativer Wirtschaftsformen in Kommunen

Transition Town Freiburg geht davon aus, dass wenn wir in denkrahmen-image_wideFreiburg überhaupt eine Chance haben wollen, dass unsere Bemühungen zur Widerstandsfähigkeit oder gar zur Nachhaltigkeit führen, werden wir eine unangenehme Zeit durchmachen, in der wir mit neuen Geldsystemen experimentieren. Realisierbare Komplementärgeldsysteme reichen gewiss allein nicht aus, um zu verhindern, dass wir weiterhin auf die Katastrophe zu treiben, auf die das vorherrschende Finanzsystem (Fiatgeld) zusteuert. Aber ohne sie haben wir überhaupt keine Chance, den Zusammenbruch zu vermeiden.

Sehr sehr vieles dreht sich heute um das Geld. In der Realität ist aber nicht das Geld der Auslöser der Wirtschaftsaktivitäten, sondern die begabten Menschen. Leider werden die Begabungen meistens dem unreflektierten „Geldverdienen“ hingegeben und „geopfert“.

Wer aber das wirkliche Wesen des Geldes und verschiedene Währungs- und Geldsysteme verstehen lernt, dem eröffnen sich damit riesige Möglichkeiten, die Entwicklung von Mensch und Natur positiv zu beeinflussen. Jedoch hat das Menschenbild des homo oeconomicus die Lehre und Praxis der Volks- und Betriebwirtschaft nachhaltig einseitig geprägt: Rationalität zum eigenen wirtschaftlichen Vorteil – egal, wie groß der soziale und ökologische Fußabdruck für die nationale und internationale Volkswirtschaft und für zukünftige Generationen ist. „Das neue Geld“ wird kommen und wir befürworten es, sich in Transition Town Freiburg für einen unauffälligen Umstieg in eine neues Geldsystem stark zu machen und dass wir es sofort tun. Dafür unterminieren wir den Glauben an dieses absterbende Geldsystem bewusst und bringen dies vielfältigst zum Ausdruck. Zusätzlich werden wir uns bewusst, dass wir ein nächstes Geld brauchen und dass wir für einen demokratischen Prozess Menschen brauchen die wissen, was Geld ist und wie es in seinen unterschiedlichen systemischen Ausprägungsformen (Währungen) funktioniert. Wenn wir diesbezüglich ungebildet bleiben, wird man uns wieder einen Blödsinn „verkaufen“. Diese Haltung wollen wir die „Geldaufklärung“ nennen.

In der Gesellschaft gibt es immer mehr Bürger*innen, die nicht nur Wahlbürger*innen und Steuerzahler*innen sein wollen, sondern auch Wirtschaftsbürger*innen, die Sozialunternehmen und Genossenschaften gründen und in vielfältiger Weise dem tradierten Verständnis des homo oeconomicus von Eigentum und Profit wirtschaftliche Alternativen entgegenstellen, um Wirtschaft und Gesellschaft als Gemeinschaft zu verbinden.

Welche Rahmenbedingungen braucht eine Freiburger Geld-, Finanz- und Wirtschaftsordnung, die diesen Aufgaben gerecht werden kann? Wir erleben eine wirkungsmächtige Zeit und einen Verlust an sicher geglaubten Gewissheiten und Selbstverständlichkeiten. Welche Werte halten unsere Gesellschaften zusammen? Was bleibt von der Europäischen Union, wie entwickelt sie sich weiter, wie stellen wir uns zu den auch von der EU wesentlich mit zu verantwortenden Ursachen von Flucht und Vertreibung aus Afrika und dem Nahen Osten?

Der Geldgipfel 2016 der GLS Bank Stiftung will den „homo civilis et oeconomicus“ ins Blickfeld nehmen – den Handabdruck jener Menschen und Gruppen, für die realwirtschaftliche Wertschöpfung den Zweck hat, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Bedürfnisse von Menschen zu befrieden. Das Verhältnis der Wirtschaft zur Gesellschaft soll sich ändern, ebenso der Blickwinkel der Gesellschaft auf die Wirtschaft. Die Anmeldung ist bis Dienstag, 11. Mai möglich.

Die „Werkstatt Geldwende“ bei Transition Town Freiburg will die, bereits in diesem Sinne engagierten und erfahrenen, Akteure versammeln und zusätzlich zu unzähligen „Werkstätten Geldwende“ in den Stadtbezirken Freiburgs ermuntern.

Kontakt <joerg.beger[ät]ttfreiburg.de>

Zur Einführung:

Loske, Reinhard: Transformationsstrategien für eine nachhaltige Geldordnung. GLS Bank-Stiftung Geldgipfel 2014 – Von der Energiewende zur Geldwende. 2014.

Rost, Norbert: Peak Oil, der Transition Town Ansatz und Resilienzstrategien. 25.04.2013.

Koch, Eva: Bürgerschaftliches Engagement für eigenes Geld. In: Woynowski, Boris ua. (Hrsg.): Wirtschaft ohne Wachstum. Notwendigkeit und Ansätze einer Wachstumswende. 2012, Seite 192-200.

Rost, Norbert: Transition Towns – Städte im Wandel. In: Zeitschrift für Sozialökonomie (ZfSÖ). Jhrg. 49 (2012), Heft 172/173, Seite 43-50.

Seiffert, Horst: Geldschöpfung. Die verborgene Macht der Banken. 2012.

Rost, Norbert: Leben in Transition Towns. 05.12.2011.

Rost, Norbert: Regionales Wirtschaften mit Regionalwährungen kontra „Peak Oil“. 04.06.2005.

Schmalz, Anna-Lisa: Rechtliche Lage für Komplementärwährungen in Deutschland. In: Dieselbe: Komplementärwährungen zur Förderung der regionalen Wirtschaft in Städten und Gemeinden. Ein innovativer Ansatz für Kommunen. 2013, Seite 35-37.

Kopatz, Michael: Wirtschaftsförderung 4.0. Kooperative Wirtschaftsformen in Kommunen. In: oekom e.V. (Hrsg.): StadtLust. Quellen urbaner Lebensqualität. Politische Ökologie, 2015, Nr. 142, Seite 104-110.

Burka, Uwe: Eine zukunftsfähige Geld- und Wirtschaftsordnung für Mensch und Natur. Jeder kann mitmachen. 2015.

Diefenbacher, Hans: Nachhaltige Entwicklung zwischen lokaler Ökonomie und lokaler Entwicklung.In: Ökumenische Initiative Eine Welt e.V. (ÖIEW) (Hrsg.): Initiativ. Rundbrief der ÖIEW, Nr. 106. 2004, Heft 1, Seite 2-4.

Douthwaite, Richard; Diefenbacher, Hans: Den Geldkreislauf durchbrechen. In: Dieselben: Jenseits der Globalisierung. Handbuch für lokales Wirtschaften. 1998, Seite 83-130.

Douthwaite, Richard; Diefenbacher, Hans: Ein eigenständiges Bankenwesen. In: Dieselben: Jenseits der Globalisierung. Handbuch für lokales Wirtschaften. 1998, Seite 131-180.

LORA München (Hrsg.): Das Leben nach Erdöl in München. Regionale Wirtschaftsgemeinschaft und Transition Town im Gespräch mit Fritz Letsch. Radiomitschnitt vom 11.06.2014.

Triodos Bank: Transition Town – Den Wandel praktisch gestalten. Über den äußeren und inneren Wandel oder: Wie können wir ein neues gutes Leben mit Freude ausprobieren? „Die Rolle des Geldes für den gesellschaftlichen Wandel“. FairFinanceWeek Frankfurt Kooperationsveranstaltung der GLS Bank Frankfurt und Transition Town Frankfurt am 19.11.2015. 25.11.2015.

Videoarchiv Regionalwährungen bei google+

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Comment

  • Jörg Beger

    10. Mai 2016 at 11:45

    Regionale Komplementärwährungen in Deutschland

    Seit der Jahrtausendwende haben sich vor allem in Südeuropa, aber auch in Deutschland zahlreiche alternative Geldsysteme gebildet. Ihnen ist in der Regel gemeinsam, dass sie versuchen, den Kaufkraftabfluss aus der Region zu verringern und den wachsenden gesellschaftlichen Fliehkräften entgegen zu wirken. Häufig werden auch ökologische Ziele mitverfolgt.
    Diese Studie vermittelt einen ersten, umfassenden und kritischen Überblick über diese alternativen Systeme in Deutschland. Außerdem werden zwei alternative Investitionssysteme und fünf interessante Beispiele aus Nachbarländern vorgestellt. Eingehend werden Möglichkeiten diskutiert, wie diese Systeme verbessert oder weiter entwickelt werden könnten.
    Allen, die sich für diese Alternativsysteme interessieren, damit arbeiten oder gar daran denken, selbst ein derartiges System zu etablieren, wird die Lektüre dieser umfassenden Studie empfohlen.

    Leinert, Sebastian: Regionale Komplementärwährungen in Deutschland : Stand und Entwicklungsmöglichkeiten. 2016.

    Als Book on Demand, hier:
    http://www.bod.de/buch/sebastian-leinert/regionale-komplementaerwaehrungen-in-deutschland/9783842360686.html

  • Jörg Beger

    13. Mai 2016 at 19:05

    Der Crash ist doch schon da – der Kollaps wir in die Zukunft verschoben…

    Matthias Weik und Marc Friedrich im Interview bei swr 1 Baden-Württemberg | Leute am 13.5.2016

    Warum gibt es überhaupt Wirtschaftskrisen? Was macht „den Staat“ zu einem schlechten Unternehmer? Matthias Weik und Marc Friedrich analysieren die wirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Fehlentwicklungen. Die beiden Finanzexperten, Querdenker und Autoren haben in ihren Bestsellern bereits die EZB-Leitzinssenkung und Minuszinsen für die Banken, die Absenkung des Garantiezins bei den Lebensversicherungen sowie den Ausgang der EU-Wahl prognostiziert. Jetzt erscheint ihr neues Buch: „Kapitalfehler. Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen“.

    Hier:
    http://www.swr.de/swr1/bw/programm/leute/friedrich-marc-und-weik-matthias-finanzexperten-und-bestsellerautoren/-/id=1895042/did=17325562/nid=1895042/ushg4q/index.html

  • Jörg Beger

    14. November 2016 at 19:15

    Wirtschaft und Geld neu denken. Woher kommt das Geld?

    2 Vorträge von Johannes Stüttgen am 7.11.2016 und Tom Tritschel am 8.11.2016, hier:

    und 3 Seminarmitschnitte mit den Titeln „Geld und Recht“, „Wirtschaftsleben und Geldzirkulation“ sowie „Unternehmen, Eigentum und Konsum“, hier:

    http://www.omnibus.org/filme.html

  • Jörg Beger

    7. März 2017 at 22:49

    Geldgipfel 2016 Reinhard Loske Vortrag

  • Jörg Beger

    19. März 2017 at 00:31

    Rainer Voss, ehemaliger Investmentbanker und bekannt aus dem preisgekrönten Dokumentarfilm „Master of the Universe“ von Marc Bauder, benennt im Kurzinterview nicht nur die Grundprobleme unseres Finanzsystems, sondern erklärt auch, warum er die Existenz von Bargeld als elementares Bürgerrecht begreift, wie er die Zukunft des Geldes sieht und weshalb er Geld als Fetisch bezeichnet. (…)

  • Jörg Beger

    17. Mai 2017 at 21:36

    Michael Moos zur Geldanlage der Stadt Freiburg bei Lehman Brothers (Radio Dreyeckland, 14.10.2008)

  • Jörg Beger

    17. Mai 2017 at 21:42

    Michel Moos zur Lehman-Anlage der Stadt Freiburg

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