Mindestens 90% regionale Erzeugung – Ernaehrungs-Souveraenitaet

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Herzlichen Dank an alle Freiburger*innen, die zum Gelingen des Kongresses für Ernährungssouveränität in Freiburg beigetragen haben… zum Beispiel durch die Bereitstellung eines Übernachtungsplatzes für eine Kongress-Teilnehmer*in. Und an Markus Wichmann und Jannis Große !

Vom 6. bis 9. Dezember 2018 fand in Freiburg i. Br. der internationale deutschsprachige Nyeleni Kongress für Ernährungssouveränität.

Kamera & Interviews: Markus Wichmann
Schnitt: Jannis Große (2019)

Ergänzende Hinweise:

Ernährungsrat Freiburg + Umgebung (gegründet im Juni 2019), hier.

Gemeinsame europäische Agrarpolitik (GAP 2020)

Die Gemeinsame europäische Agrarpolitik (kurz: GAP) legt mit den Agrarsubventionen fest, welche Landwirtschaft sich lohnt. Jahr für Jahr verteilt die EU mit der GAP 60 Milliarden Euro an die Landwirtschaft. Vier Fünftel davon werden als Direktzahlungen „mit der Gießkanne“ verteilt – der größte Teil geht an Großgrundbesitzer*innen. Pro Hektar gibt es ca. 300 Euro, unabhängig davon, ob dort zukunftsfähig gewirtschaftet wird. Dabei müsste das Geld dafür genutzt werden, zukunftsfähige Betriebe zu belohnen. Den Weg in die Zukunft weisen die Bäuerinnen und Bauern, die ihre Tiere gut halten, den ländlichen Raum lebendig machen und dabei mithelfen Umwelt und Klima zu schützen. Öffentliches Geld für öffentliche Leistungen – das muss der Leitsatz für die anstehende Reform der GAP sein, die ab 2021 in Kraft treten soll.

# Die EU-Agrarpolitik muss gesellschaftlichen Mehrwert bringen. Forderungen der Verbände-Plattform (mit Netzwerk Solidarische Landwirtschaft) zur GAP 2020. März 2018, hier.
Die breite Verbände-Plattform fordert eine grundlegende Reform der EU-Agrarpolitik. Die GAP-Gelder müssen gesellschaftliche Leistungen honorieren, Marktkrisen durch klare Regeln vermieden werden und die Vielfalt der Betriebe erhalten und ausgebaut werden, so einige der Forderungen der mehr als 20 unterzeichnenden Organisationen.

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Comment

  • Jörg Beger

    19. Januar 2020 at 13:40

    Liebe Bäuerinnen und Bauern,

    es ist offensichtlich – ein „Weiter so“ auf den Höfen und in der Agrarpolitik geht nicht mehr. Die Belastungsgrenzen unserer Erde werden überschritten. In der Land- und Forstwirtschaft sind wir die ersten, die mit den Auswirkungen des Klimawandels konfrontiert sind. Das soziale Ungleichgewicht wird größer – gerade auf dem Land. Die internationalen Märkte sichern die wirtschaftliche Tragfähigkeit vieler Höfe nicht ab. Der Umbau der Nutzierhaltung drängt sich seit Jahren auf. Nicht nur die wirtschaftliche, sondern auch die persönliche Belastungsgrenze vieler Kolleginnen und Kollegen ist erreicht.

    Die Zeit ist reif
    • für eine ehrliche Wertschätzung bäuerlicher Arbeit
    • für gerechte Preise und ein ausreichendes Einkommen
    • für einen flächendeckenden Arten-, Klima- und Wasserschutz
    • für eine besonders artgerechte Tierhaltung
    • für eine Reform der Agrarpolitik, welche die Vielfalt der Bauernhöfe absichert
    • für Regeln im Marktgeschehen, die den Absturz von Erzeugerpreisen verhindern
    • für eine Offensive, die Existenzgründungen in der Landwirtschaft fördert
    • für Welthandel, der die Menschenrechte achtet und Dumping ausschließt
    • für faire Arbeitsbedingungen in der gesamten landwirtschaftlichen Lieferkette
    • für ein neues gemeinsames Miteinander von Stadt und Land

    Dies zu schaffen ist eine Herkulesaufgabe. Wir sind bereit sie anzupacken.

    Wir machen Politik und Gesellschaft ein Angebot:

    Bis 2035 werden wir in Deutschland flächendeckend umwelt- und klimaschonenden Ackerbau praktizieren und unsere Nutztiere artgerecht halten.

    Einige von uns haben sich schon auf den Weg gemacht. Viele sind ebenfalls zu notwendigen Veränderungen bereit, wenn sie bei der Umsetzung und bei den Kosten nicht allein gelassen werden. Für eine gesellschaftlich akzeptierte Landwirtschaft brauchen wir die Bereitschaft der Landwirtschaft, aber auch die Unterstützung der VerbraucherInnen und der Wirtschaft. Und wir brauchen klare politische Rahmenbedingungen, die einen deutlichen Anreiz für den Umbau der Landwirtschaft setzen.

    Für diese Forderungen sowie unsere persönlichen Botschaften steigen wir auf die Trecker, fahren nach Berlin und werden zusammen mit der Zivilgesellschaft am 18. Januar 2020 bei der Internationalen Agrarministerkonferenz und auf der Demonstration „Wir haben Agrarindustrie satt!“ durch Berlin ein starkes bäuerliches Zeichen setzen.

    Felix Prinz zu Löwenstein
    Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft (BöL)

    Georg Janßen
    Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL)

    Paula Gioia von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und La Via Campesina:

    „Wir fordern: Schluss mit der Produktion für den Weltmarkt – Bauernrechte jetzt umsetzen! Als Bäuer*innen wollen wir in erster Linie für lokale Märkte produzieren. Das schafft Ernährungssouveranität hier, erhält die Agrarmärkte und bäuerlichen Lebensmittelsysteme anderswo und ist ein wichtiger Beitrag für die globale Solidarität!“

    Felix Prinz zu Löwenstein, Bio-Bauer und BÖLW-Vorsitzender:

    „Wir stehen in einer Zeitenwende, ob wir wollen oder nicht. Es kommt jetzt nur darauf an, ob wir sie selbst gestalten. Die Bundesregierung muss deshalb für die Unterstützung der Bauern sorgen, die Klima, Tiere, Boden oder Gewässer schützen. Und die Bäuerinnen und Bauern müssen gemeinsam ein mutiges Bild einer zukunftsfähigen Landwirtschaft entwickeln.“

    hier:
    https://www.wir-haben-es-satt.de/presse/
    https://www.wir-haben-es-satt.de/trecker/aufruf/

  • Jörg Beger

    19. Januar 2020 at 13:42

    Regional einkaufen, heißt Klimaschutz betreiben … und genießen! Besonders in unserer Gegend: Dank einer einzigartigen Kulturlandschaft und vielfältiger Bewirtschaftung steht uns in Freiburg und Region das ganze Jahr über eine riesige Produktpalette zur Verfügung. Marktplatz LandKultur zeigt uns das Gute ganz in der Nähe: Bauernhöfe mit Produkten und Angeboten, Veranstaltungen und Verkaufsstellen.

    hier:
    https://www.marktplatz-landkultur.de/

  • Jörg Beger

    19. Januar 2020 at 13:54

    Workshop in Käbschütztal / Meissen / Sachsen

    Netzwerktreffen Solidarische Landwirtschaft erühjahr 2020

    SoLawi-Betriebe | Wirtschaftlich stabilisieren & umfassende Regionalversorgung gestalten

    (Referent*innen: Marius Rommel & Dr. Irene Antoni-Komar, im Rahmen des nascent Forschungsprojektes der Universitäten Siegen & Oldenburg)

    Die Verbreitung von SoLawi-Betrieben schreitet immer rasanter voran. In diesen Trend werden inzwischen große Hoffnungen gesetzt. So werden SoLawi-Betriebe für ihre ökologischen wie sozialen Mehrwerte gelobt, gleichsam sind sie als Impulsgeber zur Gestaltung einer umfassenden Regionalversorgung wichtiger denn je. Doch wie sieht die Realität innerhalb der Betriebe aus? Inwieweit gelingt eine betriebswirtschaftliche Stabilisierung, welche auskömmliche Einkommen mit den hohen ideellen und sozialen Ansprüchen in Einklang bringt? Und sehen sich SoLawi-Betriebe bereits als gestaltende Akteure von Nachhaltigkeitsregionen?

    Wir möchten in diesem Workshop zwei Perspektiven einnehmen. 1. möchten wir in einer Innenbetrachtung gemeinsam erfolgreiche Strategien und Maßnahmen zur sozialen und betriebswirtschaftlichen Stabilisierung identifizieren, die anschließend im Rahmen des Forschungsprojektes nascent für alle interessierten SoLawi-Betriebe aufbereitet werden. 2. möchten wir in einer Außenbetrachtung diskutieren, welche positiven Effekte aus Kooperationen, Netzwerken und Erweiterungen für SoLawi-Betriebe selber, aber auch für regionale Wertschöpfungsräume entstehen können. Wie lassen sich ausgehend von SoLawi-Betrieben unterschiedliche regionale Wirtschaftseinheiten dergestalt kombinieren, dass sich die Region vollständig ökologisch versorgen lässt?

    https://www.solidarische-landwirtschaft.org/aktuelles/veranstaltungen/netzwerktreffen/

  • Jörg Beger

    19. Januar 2020 at 14:02

    Solawi-Netzwerk unterzeichnet Erklärung

    Erklärung mit unterzeichnen: https://farmers-for-future.de/erklaerung/

    Im Dezember wurden die Unterschriften an die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner übergeben.

    Erklärung der Farmers for Future

    Wir Öko-Bäuerinnen und -Bauern fordern wirksame Maßnahmen zum Schutz des bedrohten Weltklimas und solidarisieren uns mit #FridaysforFuture sowie #Scientists4Future! Denn der Klimawandel gefährdet die Landwirtschaft und die Ernährungssicherheit weltweit. Die jungen Menschen haben Recht, für ihre Zukunft auf die Straße zu gehen.

    Die Landwirtschaft ist zugleich Mitverursacherin und Betroffene des Klimawandels. Schon jetzt sind die Schäden und Ernteausfälle durch extreme Starkregen, Hochwasser und Dürren gewaltig. Besonders betroffen sind Bäuerinnen und Bauern in den Ländern des globalen Südens, aber auch in Deutschland, wie der Sommer 2018 zeigte. Der Klimawandel macht vormals fruchtbares Land zu Risikostandorten, weite Landstriche werden landwirtschaftlich nicht mehr nutzbar sein.

    Wir fordern: Die Bundesregierung muss jetzt entschlossen handeln! Es sind nun deutlich größere Anstrengungen nötig, um das selbstgesteckte CO2-Reduktionsziel der Bundesrepublik von 40 Prozent bis 2020 zumindest annähernd umzusetzen. Das langfristige Ziel der Reduktion der Treibhausgas-Emissionen um 95 Prozent bis 2050 darf keinesfalls aufgeweicht werden! Die Bundesregierung muss außerdem schon jetzt verbindliche Zwischenziele für die Zeit nach 2020 festlegen, beispielsweise 55 Prozent bis 2030 als realistischen Meilenstein. Wir fordern von der Politik verbindliche und wirksame Maßnahmen zur Senkung der Treibhausgasemissionen, die bei den Hauptverursachern des Klimawandels ansetzen, um das 1,5 Grad-Ziel noch zu erreichen. Deshalb fordern wir:

    den CO2-Ausstoß zu besteuern
    einen schnellen Kohleausstieg
    Die Energieversorgung und die Mobilität müssen insgesamt energieeffizienter und nachhaltiger werden.

    Auch wir Bio-Bäuerinnen und -Bauern wollen unseren Beitrag zum Klimaschutz leisten und Verantwortung übernehmen, denn die Landwirtschaft trägt mit etwa zehn Prozent der Gesamtemissionen ebenfalls zur Erderwärmung bei. Wir fordern die Bundesregierung und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner auf, jetzt die politischen Weichen zu stellen und Maßnahmen anzustoßen, um folgende wirksame Maßnahmen umzusetzen:

    Reduktion der Emissionen aus der Tierhaltung durch die eine flächengebundene Tierhaltung
    Etablieren einer Stickstoffstrategie zur Reduzierung der Lachgasemissionen
    Förderung der CO2-Bindung durch Humusaufbau in den landwirtschaftlichen Böden
    Die CO2-Besteuerung betrifft auch den synthetischen Stickstoffdünger
    Nachhaltigkeits-Abgabe auf Importe von Eiweißfuttermittel
    Ausrichtung der gesamten EU-Agrarzahlungen (GAP) auf eine klimaschonende, umweltschonende und tiergerechte Landwirtschaft
    Ausweitung des Ökolandbaus als bewährtes und zertifiziertes Verfahren für eine umwelt- und klimafreundliche Landwirtschaft. Das 20 % Ökolandbau-Ziel der Bundesregierung muss baldmöglichst erreicht werden!
    Förderung eines nachhaltigen Konsums und Stoppen der Lebensmittelverschwendung
    Schutz von Mooren und nachhaltige Nutzung von Grünland und Wäldern
    Weitere Erforschung sowie Etablierung besonders klimafreundlicher Verfahren wie Agroforstwirtschaft, reduzierte Bodenbearbeitung ohne Einsatz von Totalherbiziden, optimierte Fruchtfolgen, standortangepasste Bio-Pflanzenzüchtung und Nährstoffrecycling
    Stärkung klimafreundlicher gesunder Ernährung, etwa durch Bio-Essen in Einrichtungen der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung

    Erstunterzeichner:

    Jakob Schererz, Bauckhof, Demeter-Landwirt

    Eine Initiative für alle Bio-Landwirt*innen.

    hier:
    https://farmers-for-future.de/erklaerung/

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