Produktionsweise und Wertbewusstsein

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Angebot von Mitfahrgelegenheiten für 1-2 Menschen zum Seminar „Ungesellschaftliche Gesellschaftlichkeit“ am 13.10.2017 in Niederbeisheim 30km südlich von Kassel (5 Minuten von der Autobahn-Raststätte Hasselberg (A7)). Kontakt: Telefon +497611553011.

150 Jahre nach Erscheinen des Kapital wird Karl Marx quer durch das Feuilleton getrieben und für seine Leistungen auf dem Gebiet der Kapitalismuskritik gewürdigt. Doch was hier verhandelt wird, ist höchstens noch die Schrumpfversion eines theoretisch ohnehin schon beschränkten traditionellen Marxismus. Hatte dieser noch den Klassenkampf zum Gravitationszentrum der Marxschen Theorie erhoben, so erscheint Marx im aktuellen Diskurs gerade noch als früher Kritiker „sozialer Ungleichheit“, der außerdem erkannt habe, dass der Kapitalismus zur Globalisierung dränge und das Finanzkapital eine unheilvolle Rolle spiele. Wer solche Freunde hat braucht keine Feinde.

Entgegen solcher banalisierenden Vereinnahmung in das Universum des unreflektierten Alltagsverstands hat Wertkritik stets auf der fundamental-kritischen Stoßrichtung der Marxschen Theorie insistiert. Ihr Dreh- und Angelpunk ist der historisch-spezifische, gesellschaftlich-ungesellschaftliche Charakter der kapitalistischen Produktionsweise, die sich über die widersprüchliche Vermittlung isolierter Privatproduzenten und Warenbesitzer konstituiert. Wertkritik hat sich zur Aufgabe gesetzt, die Entfaltung dieser Widersprüchlichkeit durch die verschiedenen Ebenen des gesellschaftlichen Gesamtzusammenhangs nachzuzeichnen und dessen Unhaltbarkeit aufzuzeigen. Auf dem Krisis-Seminar 2017 sollen einige der damit verbundenen grundsätzlichen, formkritischen Fragestellungen behandelt aber auch andere Ergebnisse aus dem laufenden theoretischen Prozess vorgestellt und diskutiert werden.

 

 

 

 

 

Ergänzungen:

# Trenkle Norbert: Die Transformation des gesellschaftlichen Reichtums. Vortrag vom 22.6.2017, auf Video hier.

 # Derivatenhändler der Kritik. Robert Kurz und das Deutschtum des Marxismus. Kritik von Joachim Bruhn. 2002, hier.

# F.: »Neue Deutsche Wertkritik« – Marxismus in Zeiten des Neoliberalismus. In: Wildcat-Zirkular Heft 62, 2002, Seite 42-54.

 # Der Theoretiker Robert Kurz im Interview – 3SAT Kulturzeit – Oktober 2004, hier.

 # Robert Kurz zur Krise als notwendiger Bestandteil des Kapitalismus, hier im O-Ton-Mitschnitt.

 # Marx Reloaded. Ein Film von Jason Barker. 2010, hier.

 # Arbeit, Arbeit, Arbeit – Zur Kritik des Arbeitswahns – Vortrag von Robert Kurz (2011), hier im O-Ton.

# Doku-Filmreihe zum Thema Kapitalismus und kapitalistische Produktionsweise. Vom 7. Oktober bis zum 4. November 2014 führte ARTE in die Finanzwelt und nahm die Zuschauer mit auf eine Reise von den Anfängen des kapitalistischen Denkens, wirft Fragen zum aktuellen Wirtschaftsgesschehen auf und suchte (vergeblich?) nach Alternativen zum traditionellen Konzept des Kapitalismus, hier. 1. Folge. 2. Folge. 3. Folge. 4. Folge. 5. Folge. 6. Folge.

# Herzig, Thomas: Geldlose Gesellschaft. Alternative zum Kapitalismus mit Verfallsdatum? In: Streifzüge. 2011, hier.

# Streifzüge Redaktion: Repariert nicht, was euch kaputt macht ! Gegen das bürgerliche Leben – für das gute Leben. In Streifzüge 2013, hier.

# Nahrada, Franz: Demonetarisierung des Geldes. Der Diskurs über die Abschaffung des Geldes. In: Streifzüge 2013, Heft 57, hier.

# Exner, Andreas; Morgan, Justin; Nahrada, Franz; Nelson, Anitra; Siefkes, Christian: Geld ist das Problem! Kernideen der Demonetarisierung. 2016, hier.

# Klein, Peter: Das Wesen des Rechts. Ein Versuch zur Rehabilitierung der Rechtsphilosophie und ihrer Kritik. 2001, hier.

# Höner, Christian: Was ist der Wert? Über das Wesen des Kapitalismus – Eine Einführung. In: Streifzüge Jahrgang 2004, Heft 30, hier.


 

 

 

 

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Comment

  • Jörg Beger

    9. Oktober 2017 at 21:45

    Die Wissenschaft vom Wert.
    Die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie zwischen wissenschaftlicher Revolution und klassischer Tradition

    7. erweiterte Auflage
    Michael Heinrich ISBN: 978-3-89691-454-5 422 Seiten Preis: 35,00 € Erschienen: 2017
    Mit dem Zusammenbruch des Realsozialismus wurde die Marxsche Theorie fragwürdig. Zwischen pauschaler Todeserklärung und trotziger Verteidigung schien kein Platz für eine wirkliche Diskussion Marxscher Texte und ihrer intellektuellen Zusammenhänge.

    Michael Heinrichs inzwischen zum Klassiker avancierte Arbeit bildet hier einen Kontrapunkt. In seiner am „frühen“ wie am „späten“ Marx ansetzenden Untersuchung setzt er die Marxsche Ökonomiekritik sowohl zur Klassik wie zur Neoklassik in Beziehung und legt dabei tiefgreifende Ambivalenzen frei.

    Das Standardwerk ist nunmehr in der 7. Auflage erschienen.

    https://www.dampfboot-verlag.de/shop/artikel/die-wissenschaft-vom-wert

  • Jörg Beger

    10. Oktober 2017 at 10:05

    Fundstück aus dem Jahre 2000:

    Initiative Sozialistisches Forum: Der Theoretiker ist der Wert. 2000.

    Seit Hans Magnus Enzensberger 1991 in der “Anderen Bibliothek” das Buch “Der Kollaps der Modernisierung” druckte, gilt sein Autor, Robert Kurz – und mit ihm seine Genossen um die Zeitschrift “Krisis” –, als Avantgarde einer so radikal kapitalismuskritischen wie reflektiert undogmatischen Strömung, das heißt als Protagonist einer Neuen Linken, die weder auf die falschen Versprechungen des Stalinismus hereingefallen ist noch den trügerischen Prophezeiungen keynesianischer oder ökologischer Reformprogramme auf den Leim zu gehen gedenkt. Daß das Kapitalverhältnis nicht ewig sein kann, daß es vielmehr zur Krise treibt und hinein in einen Zusammenbruch von der Statur zumindest des “Schwarzen Freitag” von 1929, macht den Kern der Kurzschen Theoriebildung aus. Zu prüfen ist jedoch, ob derlei Prognosen als Resultat eines in den Zwängen der Denkform Theorie befangenen Denkens überhaupt begründet werden können. Es zeigt sich, daß Kurz den marxistischen Traditionalismus bis an die Grenzen strapaziert, ohne ihn überwinden zu können. Indiz dessen ist seine abgrundtiefe Aversion gegen die Kritische Theorie Adornos; Resultat dessen ist die Wiedergeburt der bolschewistischen Antike aus dem Geist einer politiksüchtigen Intellektualität, die nie gelernt hat, ihren spektakulären Vermittlungsleistungen zu mißtrauen: “Der Theoretiker ist der Wert.”
    “Sagen wir es kurz und knapp: Unter dem Titel einer ‘fundamentalen Wertkritik’ vertreten Robert Kurz und die ‘Krisis’-Gruppe nur einen terminologisch notdürftig gewendeten, sich mehr und mehr in Richtung einer Lebensphilosophie modernisierenden ‘wissenschaftlichen Sozialismus’ klassischer Prägung – nur eben ohne proletarisches Subjekt: Leninismus ohne Arbeiterklasse.”

    http://www.ca-ira.net/verlag/buecher/isf-theoretiker.php

  • Jörg Beger

    10. Oktober 2017 at 10:09

    Robert Kurz ist am 18.7.2012, an den Folgen einer Nierenoperation gestorben. Er war maßgeblicher Mitbegründer der Wertkritik. Mit der Gruppe Krisis und später der Gruppe Exit! entwickelte er eine vehemente Kritik an den Grundformen der kapitalistischen Gesellschaft: Arbeit, Ware, Wert, Geld. Am Traditionsmarxismus kritisierte Kurz eine verkürzte Analyse und Kritik, die nur auf die Ebene der Verteilung des Reichtums abzielt, aber Form und Zustandekommen dieses Reichtums außen vor lässt.

    Nachruf von Stefan Meretz hier:
    http://keimform.de/2012/robert-kurz-ist-tot/

  • Jörg Beger

    10. Oktober 2017 at 10:11

    Nachwort zum Tod von Robert Kurz. Robert Kurz, der Verfasser des „Schwarzbuch Kapitalismus“, ist gestorben. Dieses Buch und das „Manifest gegen die Arbeit“ haben einen tiefen Eindruck hinterlassen.

    Lebowski bei Der Freitag am 19.07.2012

    Es gibt nur sehr wenige Bücher, die man immer wieder in die Hand nimmt, um darin zu lesen. Das „Schwarzbuch Kapitalismus“ von Robert Kurz ist eines davon. Keins hat mein Verständnis vom Kapitalismus so nachhaltig geprägt wie dieses Buch.
    Um zu ermessen, was es für viele bedeutet, sollte man in die achtziger Jahre zurückgehen. Linkssein war damals eine muffige Angelegenheit. Es gab den autoritären Sozialdemokratismus mit Hans-Jochen Vogel, den Realsozialismus, der auch nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig war, – die Grünen, die schon dabei waren, an ihren Karrieren im Arsch des Systems zu arbeiten und die Hobbyrevoluzzer an der Uni, die im Anschluss an ihr Studium Baudezernenten und ähnliches wurden. Keine gute Bedingungen, für Leute, die wirklich etwas ändern wollten.
    Und so schob man das Linkssein auf und versuchte selber im System zu überleben.
    2005 versuchte ich es nochmal. Die Verhältnisse hatten sich verschlimmert. Ich suchte nach Erklärungen und Antworten. Ich bekam das „Schwarzbuch Globalisierung“ in die Hände und las es mir durch, als ich mit einem Bandscheibenvorfall im Krankenhaus war. Leider bleib es an Oberflächenphänomenen haften und kam nie an die Ursache der Krise heran.

    Dann las ich zum ersten Mal das „Schwarzbuch Kapitalismus“ und das war es! Auf einmal schien alles klar. Normalerweise sind Schwarzbücher eine öde Angelegeheit, in denen alle Verfehlungen eines Systems oder einer Organisation säuberlich der Reihe nach aufgelistet werden. Nicht so das „Schwarzbuch Kapitalismus“. Es erzählt die Geschichte des Kapitalismus. Denn was dieses Wirtschaftssystem angerichtet hat, kann man nur dann beurteilen, wenn man es historisch betrachtet.

    Es ist die Geistesgeschichte des Kapitalismus. Eine Fundamentalkritik an allem, was normalerweise sakrosankt ist. Die Aufklärungsphilosophen, die Kurz als beinharte Arbeitsideologen entlarvt. Die Politik, die nur eine Unterabteilung des Liberalismus ist und im Grunde nur dafür da, das kapitalistische System zu optimieren. Die Sozialdemokratie, die den Arbeitern den Platz in der kapitalistischen Hölle gemütlich einrichten möchte. Die Autoideologie. Alle bekommen sie ihr Fett weg. Das Buch ist radikal im besten Sinne.
    Auch die Exit-Texte sind eine wahre Fundgruben zum Verständnis der Krise. Das Manifest gegen die Arbeit ist ohnehin ein Klassiker.
    Robert Kurz ist tot. Er starb am 18.7.2012 an den Folgen einer Nierenoperation. Als Linker muss man das zutiefst bedauern, selbst dann, wenn in den Focus von Kurzens Kritik geraten war. Und Kurz war in seiner Kritik unerbittlich und unbestechlich.
    Aber er hat viele, die mit dem Linkssein nichts anfangen konnten, wieder die Kritik am Kapitalismus gelehrt.
    R.I.P. , Robert Kurz!!!!!!!!!!!!

    https://www.freitag.de/autoren/lebowski/robert-kurz-ist-tot

  • Jörg Beger

    10. Oktober 2017 at 10:17

    Robert Kurz (1943 – 2012)
    Mit Robert Kurz hat die radikale Gesellschaftskritik einen ihrer wichtigsten Köpfe verloren und der wertkritische Ansatz einen ihrer Wegbereiter. Unser Projekt verdankt ihm viel. Ohne Robert Kurz wäre die Krisis wahrscheinlich nie entstanden. Wir sind einen langen theoretischen Weg gemeinsam gegangen. Als im März 1986 die erste Ausgabe unserer Zeitschrift noch unter den Namen Marxistische Kritik mit Robert Kurz’ bahnbrechenden Text Die Krise des Tauschwerts erschien, argumentierten wir alle noch vom Klassenstandpunkt; wir hielten die „Arbeit“ für eine überhistorische Kategorie, das Geschlechterverhältnis galt uns als Nebenwiderspruch und der Bezug auf die Aufklärung war ungebrochen. All diese vermeintlichen Selbstverständlichkeiten wurden in den nächsten Jahren umgeworfen und eine ganz neue Form von Gesellschaftskritik entstand. Robert Kurz hat bei diesen Umwälzungen immer eine zentrale Rolle gespielt. Die gemeinsamen Jahre waren eine äußerst fruchtbare Zeit. Gelernt haben wir viel – von ihm, mit ihm und gegen ihn. Auseinandergegangen sind wir nicht im Guten. Das war schmerzhaft und hat Spuren hinterlassen. Was aber bleibt, ist das Gemeinsame. Roberts Weg ist nun zu Ende, der Weg der von ihm mitbegründeten Wertkritik noch lange nicht.

    Krisis-Redaktion und Vorstand des Förderverein Krisis

    http://www.krisis.org/2012/robert-kurz-1943-2012/

  • Jörg Beger

    10. Oktober 2017 at 10:25

    Initiative Sozialistisches Forum, Freiburg
    Institut für Sozialkritik

    jour fixe
    Der jour fixe steht allen offen, die sich in kollektiver Reflexion ihres Interesses an sozialrevolutionärer Emanzipation versichern wollen, gleich, ob als Publikum oder Referent. Wer als Einzelner oder als Gruppe dies Angebot nutzen möchte, möge sich via email an info [ät] ca-ira.net mit den Veranstaltern in Verbindung setzen. Redaktionsschluß ist jeweils ca. einen Monat vor Beginn des Semesters, d.h. Anfang März und Mitte September. Das gedruckte Programm liegt an allen einschlägig bekannten Orten aus.

    Der gemeinnützige jour fixe-Verein der ISF unterstützt diese im Semester alle 14 Tage in Freiburg stattfindenden Vorträge und Debatten.

    http://www.ca-ira.net/isf/jf-verzeichnis.php

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