Freiburger Komplementärwährung im internationalen Austausch

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 „Think global – act local“:

Internationale Konferenz über Sozial- und Ergänzungswährung

Im Angesicht von Klimawandel und Finanzkrisen sind Themen wie Nachhaltigkeit und alternative Finanzsysteme nach wie vor gefragt. Die 4. Internationale Konferenz über Sozial- und Ergänzungswährung hat nun Interessenten nach Barcelona eingeladen. Dafür vergab die Zeitschrift Humane Wirtschaft aus Wuppertal zwei Stipendien. Die Freiburger Studentin Veronica Gnisia vom Verein Freitaler konnte sich eines sichern und letzte Woche dabei sein. Die Freiburger Wirtschafts- Touristik und Messe Gesellschaft (FWTM) war als Förderin (noch) nicht beteiligt?

Der Freiburger Verein Freitaler unterhält die gleichnamige Regionalwährung, um den lokalen Einzelhandel in Freiburg zu stärken. Die Währungskonferenz war für die Freiburger Studentin ein besonderer Anlass, um zu sehen, wie sich andere regionale Währungssysteme und Ideen in anderen Ländern behaupten.

Aus allen Ecken dieser Welt kamen Menschen zusammen“, berichtet Veronica Gnisia begeistert von Teilnehmern aus England, Kanada, den USA und Japan. Es wurde hauptsächlich auf Spanisch und Englisch vorgetragen. Ihr fielen vor allem die vielen jungen Teilnehmer und Unternehmer auf, die in Barcelona über Geld und alternative Währungen diskutierten.

Um die Müllentsorgung in Lissabon in den Griff zu kriegen, zahlt die Stadt allen Bürgern und Unternehmen, die selbst ihren Müll regelgerecht entsorgen, die digitale Währung „Lixo“ aus. Dadurch werden Mehrkosten umgangen und die Sauberkeit der Stadt gefördert. „Lixo“ können dann als Gutscheine bei der Stadt eingelöst werden.

Es wurde aber auch über die Misserfolge von Regionalwährungen und deren Schwächen gesprochen. Dabei ging es bei den vielfältigen Vorträgen nicht nur direkt um Geld, auch sogenannte „Sozialwährungen“ wurden vorgestellt. Ein konkretes Beispiel stellt „Zeitbanking“ dar. So nennt sich ein Tauschhandel, in dem es nicht primär um Scheine geht, sondern um Zeit. Indem man beispielsweise einem älteren Mitglied der Zeitbank den Einkauf erledigt, können diese investierten Stunden auf das eigene Konto „eingezahlt“ werden. Braucht man selber dann einen Babysitter, kann die Zeit wieder „abgehoben“ werden, damit man selbst unterstützt wird. Auch an eine zusätzlich lokale Alterssicherung auf Talentbasis ist realisierbar. Wie bei einem normalen Konto und brauchbar für jede Art von Hilfe – jede investierte Stunde ist gleich viel wert, wie die Stunden anderer.

Kennedy, Margrit: Occupy Money. Damit wir zukünftig ALLE die Gewinner sind. 2011.

Diese Art des Tauschhandels und gegenseitiger Unterstützung könnte auch Flüchtlingen, die auf ihre Arbeitsbewilligung warten müssen, bei der Integration helfen. Die Bearbeitung eines Asylantrages kann in Deutschland drei bis 18 Monate dauern – es braucht also sinnvolle Beschäftigungsalternativen, denn Zeit ist ja da.

Ergänzende Hinweise: 

 # Diefenbacher, Hans; Douthwaite, Richard: Den Geldkreislauf durchbrechen. In: Jenseits der Globalisierung. Handbuch für lokales Wirtschaften. 1998, Seite 83-130.

# Koch, Eva: Bürgerschaftliches Engagement für eigenes Geld. In: Woynowski, Boris, et al.: Wirtschaft ohne Wachstum. Notwendigkeit und Ansätze einer Wachstumswende. Arbeitsbericht Nr. 59, Institut für Forstökonomie, Unversität Freiburg. 2012, Seite 187-200.

# Pfluger, Christoph: So einfach geht Geld. In: Zeitpunkt. Jhg. 2015, Heft 139, Seite 28.

# Donnenberg, Otmar: Lernen für Bürgergeld und Regionalentwicklung. 2010.

# Kopatz, Michael: Wirtschaftsförderung 4.0 – Kooperative Wirtschaftsformen in Kommunen. 2015. In: Humane Wirtschaft, Jahrgang 2015, Heft 6, Seite 4-6, hier laden.

# Howaldt, Jürgen; Kopf, Hartmut; Kopp, Ralf; Müller, Susann; Schröder, Antonius: Soziale Innovationen für Deutschland (SIfD). Erklärung verabschiedet auf dem Vision Summit am 11.9.2014 in Berlin. 2014, hier laden und lesen.

# Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.): Die neue High-Tech-Strategie. Innovationen für Deutschland. 2014, hier laden und lesen.

# Pfluger, Christoph: Das nächste Geld – die zehn Fallgruben des Geldsystems und wie wir sie überwinden. 2015.

# Burka, Uwe: Alternative und komplementäre Geldsysteme. In: Derselbe: Eine zukunftfähige Geld- und Wirtschaftsordnung für Mensch und Natur. 2015, Seite 196-200.

# Douthwaite, Richard: Die Ökologie des Geldes. 2002.

# Loske, Reinhard: Von der „Energiewende“ zur „Geldwende“. Transformationsstrategien für eine nachhaltige Geldordnung. Vortrag von Prof. Dr. Reinhard Loske bei der GLS Bank Stiftung. 2014.

# Kennedy, Margrit; Lietaer, Bernard A.: Regionalwährungen. Neue Wege zu nachhaltigem Wohlstand. 2004.

# Hubert, Eva-Maria: Sozialtechnik Geld und Währungsmorphologie. In: Zeitschrift für Sozialökonomie (ZfSO). Jahrgang 2012, Heft 172-173, Seite 9-15.

# Sademach, Marit: Regionalwährungen in Deutschland. Strategie, Hintergrund und rechtliche Bewertung. Rechtswissenschaftliche Dissertation an der Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder bei Prof. Dr. Ulrich Häde. Baden-Baden: Nomos. 2012.

# Greco, Thomas H.: Die Rückeroberung der Kredit-Allmende. Auf dem Weg zur Schmetterlingsgesellschaft. In: Helfrich, Silke; und Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.): Commons. Für eine Politik jenseits von Markt und Staat. 2012, Seite 278-284.

# Lietaer, Bernard; Arnsperger, Christian; Goerner, Sally; Brunnhuber, Stefan: Geld und Nachhaltigkeit. Von einem überholten Finanzsystem zu einem monetären Ökosystem. 2013.

 # BkWW-Gruppe Freiburg (Hrsg.): Duale Wirtschaft. Ökonomie mit zwei Wirtschaftsräumen und zwei Währungen. Wirtschaftsmodell von W. Philipp Heist. Unveröffentlichtes Arbeitspapier, 20 Seiten. 2013.

Leinert, Sebastian: Regionale Komplementärwährungen in Deustchland. 2. verbesserte Auflage, 2016.

# Freitaler e.V.: Informationsfaltblatt. 2016, hier laden.

 

 

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