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Wie Komplementärwährungen die lokale Wirtschaft beleben

Egal ob Geld in erneuerbare Energien, Schulen oder Gebäudeisolationen investiert wird, ob der Welthunger durch die Anschaffung nachhaltiger Saatgüter beseitigt oder die zerstörte Umwelt regeneriert werden soll: jede dieser notwendigen Änderungen braucht zum Start eine Finanzspritze. Hier droht ein Gewissenskonflikt, denn die momentan existierende Weltwirtschaft zerstört die Natur, erschöpft Ressourcen und verstärkt die Ungleichheiten zwischen Superreichen und einer ständig wachsenden Zahl von Armen. Die globalen Aktivisten brauchen also eine alternative ökonomische Basis, um ihre Aktivitäten zu finanzieren.

Cyril und Mélanie suchen nach Alternativen und treffen auf ein Netzwerk von 35.000 amerikanischen Unternehmer-Pionieren, die lokale Netzwerke knüpfen, um unabhängig von den großen Kapitalmärkten agieren zu können. Auch Komplementärwährungen wie das Totnes-Pound und der schweizerische WIR können die territoriale Verankerung stärken und dafür sorgen, dass das Geld nicht internationalen Großkonzernen zufließt, sondern in der Region bleibt und dort Arbeitsplätze sichert. Es gebe nur einen Aspekt, der dem Erfolg solcher regionaler Währungen entgegenwirkt, sagt der Ökonom Bernard Lietaer. Die Gier des Menschen.

Anders als bei Euro, Dollar oder Yen wird bei Komplementärwährungen auf eine Verzinsung von Guthaben verzichtet. Daher ist eine Gewinnmaximierung durch Anlage und Spekulation ausgeschlossen. Komplementärwährungen sollen nur dem Austausch von Waren und Dienstleistungen dienen und nicht dem Aufbau von Vermögen. Damit unterlaufen sie allerdings fundamentale Prinzipien des Kapitalismus.

Filmhinweis (Trailer), hier.

Ergänzende Hinweise:

Kopatz, Michael: Wirtschaftsförderung 4.0. Koope­ra­ti­ve Wirt­schafts­for­men in Kom­mu­n­en. In: Humane Wirtschaft, Jahrgang 2015, Heft 6, Seite 4-6.

Regio­nal­wäh­rung, Tausch­rin­ge und Ener­gie­ge­nos­sen­schaf­ten bah­nen die Wege in eine nach­hal­ti­ge Zukunft. Ihr wah­res Poten­zi­al in punc­to Kli­ma­schutz, Res­sour­cen­scho­nung und loka­le Wert­schöp­fung ent­fal­ten Pro­jek­te koope­ra­ti­ven Wirt­schaf­tens aller­dings erst, wenn Kom­mu­n­en sie sys­te­ma­ti­sch unter­stüt­zen. Moder­ne Ansät­ze der Gemein­woh­löko­no­mie gibt es schon seit Jah­ren. Vie­le Men­schen suchen nach Tätig­kei­ten, die vor Ort wirk­sam sind und einen unmit­tel­ba­ren Bezug zur eige­nen Lebens­welt haben. Regio­nal­geld, Tausch­rin­ge, Repair-Cafés, Tau­sch­lä­den, sozia­le Kauf­häu­ser, Leih­sys­te­me, Stadt­gär­ten, soli­da­ri­sche Land­wirt­schaft – das alles hat Kon­junk­tur und basiert zumeist auf ehren­amt­li­chem Enga­ge­ment. Geziel­te kom­mu­na­le För­der­kon­zep­te, etwa im Rah­men der Wirt­schafts­för­de­rung, gibt es hin­ge­gen nicht.… (weiterlesen, hier).

 

Vertiefende Literatur:

Diefenbacher, Hans; Douthwaite, Richard: Jenseits der Globalisierung – Handbuch für lokales Wirtschaften. Mainz: Matthias-Grünewald-Verlag, 390 Seiten. 1998.

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  • Jörg Beger

    1. März 2017 at 22:28

    Rob Hopkins
    Ausbilder für Permakultur, Gründer der Transition Towns Bewegung (Bewegung „Städte im Übergang“)

    Im Jahr 2006 stellte Rob Hopkins eine Sache fest: Die einfachsten und alltäglichen Dinge sind auf Erdöl angewiesen. Essen, Heizen, Fortbewegung – für alles benötigen wir Energie, die zwangsläufig verschwindet. Wie also können wir uns von dieser Abhängigkeit vom Erdöl befreien? Wie kann man unsere Gemeinden für die zweifache Herausforderung des Peak Oils und des Klimawandels wappnen? Um diese Fragen zu beantworten, gründete Rob Hopkins die Transition Towns Bewegung, die Bewegung „Cities in transition“. Das Ziel: die Abhängigkeit vom Erdöl zu reduzieren.

    Zunächst verwandelte Hopkins seine Heimatstadt Totnes in Devonshire, England, in ein „Experimentierfeld des Übergangs“. Als Ausbilder für Permakultur begann er, die Gemeinschaftsgärten in der gesamten Stadt zu vervielfachen. Seine Bewegung war so erfolgreich, dass sie sogar wirtschaftliche Auswirkungen hatte. Totnes schuf eine eigene lokale Währung, den Totnes Pound, der von Dutzenden von Händlern in der Innenstadt angenommen wird und dadurch erlaubt, den Wohlstand zu verlagern. Aus dem „Experimentierfeld“ hat sich inzwischen eine Bewegung von fast 1.200 weltweiten Initiativen in den Bereichen Energie und Verkehr entwickelt.

  • Jörg Beger

    1. März 2017 at 22:30

    Bernard Lietaer
    (Ökonom)

    Bernard Lietaer ist seit über 40 Jahren bei allen Fragen zur Wirtschaft von zentraler Bedeutung. Er ist einer der größten Befürworter von Komplementärwährungen, insbesondere von Regionalwährungen.

    Lietaer ist vom Zusammenhang zwischen Währung und einer gemeinschaftlichen und ökologischen Landschaft überzeugt.

    Der belgische Finanz-Experte für internationale Währungsfragen ist seit über 40 Jahren sowohl auf wissenschaftlichem Gebiet als auch als Berater in der Wirtschaft tätig. Seinen Posten bei der belgischen Zentralbank räumte er nach fünf Jahren im Amt, weil er realisierte, dass eine Zentralbank nur dazu dient, das System aufrechtzuerhalten und nicht, es zu verbessern.

    Sein Spezialgebiet sind Komplementärwährungen, die seiner Meinung nach die ökonomischen Kreisläufe widerstandsfähiger gegen Krisen machen, nachhaltiges Handeln fördern und damit die wirtschaftliche Stabilität erhöhen.

    Derzeit forscht er am „Center for Sustainable Resources“ der University of California in Berkeley.

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