Earth day. Tag der Erde.

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March for Science Earth Day 2017

 

Liebe Alumnae, liebe Alumni,

liebe Freundinnen und Freunde der Universität Freiburg,

am Samstag, 22. April 2017 findet in Freiburg ein March for Science statt, der auf eine von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Doktorandinnen und Doktoranden sowie Studierenden der Albert-Ludwigs-Universität getragene Initiative zurückgeht. Am selben Tag wird es weltweit vergleichbare Veranstaltungen geben. Mit diesen Marches for Science setzen wir, die Vertreterinnen und Vertreter der Wissenschaft, mit breiter Unterstützung aus Politik und Gesellschaft ein starkes Zeichen gegen die international feststellbare Zunahme wissenschaftsfeindlicher Entwicklungen: tendenziöse und lautstarke Leugnung oder Relativierung von Forschungsergebnissen, Repressionen gegen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, massive Einschränkungen der Wissenschaftsfreiheit.

 

Ich würde mich sehr freuen über Ihre Teilnahme am Freiburger March for Science, der durch alle Hochschulen und Forschungseinrichtungen Freiburgs und der Region unterstützt wird: Lassen Sie uns gemeinsam deutlich machen, dass die Wertschätzung von Expertentum und wissenschaftlich gesicherter Erkenntnis eine entscheidende Voraussetzung bildet für das Vertrauen in eigene Standpunkte und die eigene Zukunft, für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Dialogfähigkeit.

 

Der Freiburger March for Science wird am Samstag, 22. April 2017, um 11.00 Uhr auf dem Platz der Weißen Rose (Innenhof im Unizentrum) starten und mit einer Kundgebung auf dem Augustinerplatz (ca. 12:30 Uhr bis 13:00 Uhr) enden. Für die Kundgebung sind Beiträge von Seiten der Albert-Ludwigs-Universität, der Stadt Freiburg und von Vertretern der Freiburger Stadtgesellschaft geplant.

 

Wir, die Vertreterinnen und Vertreter der Wissenschaft, sind gefordert, für deren freie Entfaltung öffentlich Position zu beziehen. Ich bin mir sicher, dass wir in Freiburg ein weithin sichtbares Zeichen setzen können, und danke Ihnen schon jetzt für Ihre Unterstützung.

 

Mit den besten Grüßen

Ihr

 

Hans-Jochen Schiewer

 

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Professor Dr. Dr. h.c. Hans-Jochen Schiewer

Rektor der Albert Ludwigs Universität

Am Fahnenbergplatz, 79085 Freiburg

Telefon 0761 203 4315/4243

Telefax 0761 203 4390

rektor [at] uni-freiburg [dot] de

 

Earth Day-Jahres-Motto 2017:
Green IT für’s Klima
Unsere Kommunikation wird grüner!

earthday2017

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  • Jörg Beger

    22. April 2017 at 16:43

    March for Science: 2500 Freiburger demonstrieren gegen „alternative Fakten“

    Beim „March for Science“ gingen am Samstag rund 2500 Menschen in Freiburg auf die Straße. Rund um die Welt protestieren Wissenschaftler in mehr als 600 Städten für Wissenschaftsfreiheit und gegen „alternative Fakten“.

    Rund 2500 Wissenschaftler, Studierende und Unterstützer sind am Samstag Vormittag durch die Freiburger Innenstadt gezogen. Der Freiburger „March for Science“ war einer der ersten von 22 allein in Deutschland. Den ganzen Tag über protestieren Menschen auf der ganzen Welt für die Freiheit und die Wertschätzung von Wissenschaft.

    „Für Fakten gibt es keine Alternative“ stand auf dem großen Banner, das die Freiburger Demonstration anführte. Bereits auf dem Platz der Weißen Rose im Innenhof der Uni hatte sich am Vormittag angedeutet, dass dies eine der größten Demonstrationen werden würde, die Freiburg in letzter Zeit gesehen hatte. So kam es auch: Rund 2500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zählte die Polizei, die den friedlich verlaufenden Demonstrationszug durch die Innenstadt begleitete.

    Initiiert hatte den Freiburger „March for Science“ eine 15-köpfige Gruppe von Doktoranden und Studierenden, unterstützt vom Rektorat der Uni. „Wow, der Platz ist voll“, rief Ingo Henneberg, einer der glücklichen Organisatoren, auf der letzten Station, dem Augustinerplatz.

    Dort bedankte sich Uni-Rektor Hans-Jochen Schiewer bei der Abschlusskundgebung für die Initiative: „Ich bin unendlich stolz, dass es gelungen ist, so viele Menschen zu mobilisieren.“ Es gelte nun, Solidarität mit Wissenschaftlern weltweit zu zeigen „die diese Freiheit, die wir haben, nicht haben“. Freiburg sei eine Stadt der Wissenschaft und habe Haltung gezeigt, „als andere versuchten, Flüchtlinge zu diffamieren“. Schiewer: „Wir benötigen die Aufklärung für unsere Zukunft und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

    Auch Bürgermeister Ulrich von Kirchbach konstatierte: „Es scheint, als ob immer mehr Menschen mit Fakten nichts zu tun haben wollen.“ Die Stadt Freiburg aber solidarisiere sich mit den Wissenschaftlern in Freiburg und weltweit.

    Sina Elbers von der Verfassten Studierendenschaft rief dazu auf, die Gebühren für Studierende aus Nicht-EU-Staaten zu streichen. Sabine Rollberg vom Fernsehsender Arte sagte, unabhängige Wissenschaftler und Journalisten seien wichtiger denn je. Nick Buchanan vom University College und Anna Lipphardt vom Institut für Kulturanthropologie plädierten dafür, sich als Wissenschaftler zu engagieren. Lipphardt: „Bringen wir Wissen und Kompetenz konstruktiv in die gesellschaftliche Debatte ein.“

    Aus der ursprünglichen Anti-Trump-Demo soll eine globale Bewegung werden. Warum der March for Science auch in Freiburg stattfindet, erklärt Biologe Ralf Reski im Video.

  • Jörg Beger

    22. April 2017 at 16:49

    Weltweiter “March for Science” am 22. April 2017 auch in Stuttgart, Freiburg, Heidelberg und Tübingen

    Wissenschaftsministerin Theresia Bauer: „Wissenschaft ist das Lebenselixier unserer Gesellschaft, unserer Wirtschaft und unserer Demokratie.“

    Am Tag der Erde, dem 22. April, findet weltweit der „March for Science“ statt. In weltweit 514 Städten – davon 20 in Deutschland und vier in Baden-Württemberg -finden Kundgebungen für den Wert von freier Forschung und Wissenschaft statt.

    „Der ‚March for Science‘ ist ein starkes internationales Signal, dass Wissenschaft Offenheit, Unabhängigkeit und Freiheit braucht. Wissenschaft lässt sich nicht politisch bevormunden und darf sich nicht den Mund verbieten lassen. Denn wissenschaftliche Erkenntnisse und Fakten sind essentiell für rationale Debatten und Entscheidungsfindung. Ein offener Staat muss Wissenschaft deshalb auch dann fördern und zulassen, wenn sie nicht genehm ist und nicht in den Kram passt“, sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer am Freitag (21. April) in Stuttgart.

    „In vier baden-württembergischen Städten gehen Menschen auf die Straße, um Gesicht zu zeigen – für unabhängige, für weltoffene und für freie Wissenschaft. Der Science-March zeigt, wie wichtig freie und mutige Wissenschaft ist – für die Erneuerungsfähigkeit unserer Gesellschaft, für die Innovationskraft unserer Wirtschaft und für eine liberale Demokratie“, betonte Bauer.

    Die Wissenschaftsministerin wirbt dafür, am Samstag auch in Baden-Württem­berg ein weltweit erkennbares Signal für offene Wissenschaft zu setzen. Theresia Bauer wird am „March for Science“ in Heidelberg teilnehmen: „Wir brauchen die Erkenntnisse der Wissenschaft, ihre Fakten, ihre Argumente und ihre Kritik, um uns der Zukunft zuzuwenden und um die Aufgaben, die vor uns liegen, mutig und zuversichtlich angehen zu können. Wissenschaft ist die Zukunft einer Gesellschaft.“

    Termine:

    Science March Stuttgart
    10:30 Uhr, Schloßplatz Stuttgart

    Science March Heidelberg
    15 Uhr, Friedrich-Ebert-Platz

    Science March Freiburg
    11:00 Uhr, Platz der Weißen Rose

    Science March Tübingen
    13 Uhr, Neckarinsel

  • Jörg Beger

    23. April 2017 at 21:07

    „March for Science“ Wissenschaftler gegen „alternative Fakten“

    Weltweit demonstrieren Wissenschaftler beim „March for Science“ für eine unabhängige Forschung. Vor allem in den USA sorgen sie sich, unter Trump nicht mehr frei forschen zu können – zum Beispiel bei Themen wie Klimawandel oder Impfungen.

    Zehntausende werden in mehr als 300 Städten in den USA erwartet, um gemeinsam für eine unabhängige Wissenschaft auf die Straße zu gehen. Sie sind alarmiert von den Einschränkungen, die Wissenschaftler unter der neuen US-Regierung bereits zu spüren bekommen, so Jonathan Overpeck, Klimaforscher an der University of Arizona: „Wir sehen, dass es eine Zensur dessen gibt, was Forscher, die für Regierungsorganisationen arbeiten, öffentlich oder im Internet sagen können.“

    Die Organisatoren des „March for Science“ betonen, dass sie unparteiisch sind – unpolitisch ist die Demo aber nicht: Den Forschern bereitet die Kürzungsliste von Donald Trump Sorgen. Der US-Präsident ist kein Vorkämpfer für Wissenschaftler. So sind in seinem Haushaltsplan nicht nur deutliche Kürzungen vorgesehen bei Behörden wie der Environmental Protection Agency, die Klimaforschung finanzieren – der Rotstift wird auch im Gesundheitssektor angesetzt: Overpeck zufolge schockieren die Wissenschaftler die riesigen Kürzungen, die für das National Institute of Health angekündigt wurden. „Die sind der Motor hinter Forschungen im Gesundheitsbereich. Die vorgesehenen Kürzungen sind gigantisch“, beklagt Overpeck. 20 Prozent des Budgets sollen gekappt werden.

    Impfgegner Trump

    Trumps Aussagen zum Klimawandel und zur Sicherheit von Impfungen ließen die Forscher aufhorchen, denn der US-Präsident ist ein Impfskeptiker. Obwohl mehrere Untersuchungen zu dem Ergebnis kamen, dass es zwischen Impfungen bei Kindern und Autismus keinen Zusammenhang gibt, warnt Trump genau davor.

    „March for Science“

    Weltweit wollen sich mehr als 600 Städte an der Aktion beteiligen – unter anderem in Argentinien, Brasilien, Kanada, Kolumbien, Costa Rica, Dänemark, Island, Indien, Japan, Mexiko, Neuseeland, Panama, Norwegen, Portugal, Südafrika, Südkorea, Uganda und der Schweiz.
    In Deutschland soll es Aktionen in mindestens 18 Städten geben – in Berlin, Bonn, Dresden, Frankfurt, Freiburg, Göttingen, Greifswald, Hamburg, Heidelberg, Jena, Koblenz, Köln, Leipzig, München, Münster, Rostock, Stuttgart, Tübingen – sowie auf der Nordseeinsel Helgoland.

    Trumps Haltung zur Forschung bringt ungewöhnlich viele Wissenschaftler so sehr auf, dass sie auf die Straße gehen und sich laut und deutlich zu Wort zu melden. Klimaforscher Overpeck hält die Politik der neuen US-Regierung nicht nur für demoralisierend, sondern wirklich für beunruhigend für Wissenschaftler. „Schließlich ist Forschung wichtig für unsere Wirtschaft und die anderer Länder.“ Zudem würden die Forscher daran arbeiten, Probleme der Menschheit zu lösen, so Overpeck.

    Kritik an Protesten von Kollegen

    Einige Wissenschaftler sehen die Proteste allerdings auch kritisch. Sie betonen, Wissenschaft müsse frei von politischer Leidenschaft sein. Ihre Sorge: die Demos könnten als parteiischer Angriff auf Trump und seine Anhänger verstanden werden.

    Der „Women’s March“ im Januar ist Vorbild für den „March for Science“. Dennoch ist sich Overpeck nicht sicher, wieviele Menschen letztlich wirklich mit Plakaten demonstrieren gehen werden. Overpeck hofft, dass keine Demonstrationsmüdigkeit aufkommt. „Denn die Menschen haben noch anderes zu tun und wenn es jede Woche eine Demo gibt, könnte es schwer werden, dass weiter marschiert wird. Aber ich sehe, dass viele wirklich brennen – von Wissenschaftlern bis zu den Durchschnittsamerikanern mit ihren Kindern.“

    Auf der Seite der Organisatoren des „March for Science“ gibt es auch Tipps für Forscher, die bei der US-Regierung angestellt sind, wie sie sich an den Protesten beteiligen können. Mehr und mehr Wissenschaftler engagieren sich inzwischen auch politisch, einige kandidieren sogar für politische Ämter.

  • Jörg Beger

    23. April 2017 at 21:08

    March for Science: Weltweit Demonstrationen für die Wissenschaft

    „Wir brauchen Denker, keine Leugner“ – mit solchen Parolen sind weltweit Menschen auf die Straße gegangen. Sie engagieren sich gegen Wissenschaftsfeindlichkeit.

    Weltweit sind beim March for Science Tausende Menschen für die Freiheit der Wissenschaft auf die Straße gehangen. Allein in Berlin waren es laut Veranstalter 11.000 Demonstranten, die Polizei sprach von mehreren tausend Demonstranten.

    Der March for Science ist eine weltweite Bewegung, rund um den Globus sind etwa 500 Veranstaltungen geplant. Der zentrale Protestzug fand in der US-Hauptstadt Washington statt. In Deutschland gab es außer in Berlin auch Demonstrationen in Bonn, Köln, Dresden, Frankfurt, Freiburg, Göttingen, Greifswald, Hamburg, Heidelberg, Jena, Leipzig, München, Stuttgart und Tübingen. Der Protest wurde auf den Termin des alljährlichen Earth Day (Tag der Erde) gelegt, der für mehr Wertschätzung von Umwelt und Natur steht.

    Die Demonstrationen richten sich gegen die Einschränkung von Wissenschaft, die Leugnung wissenschaftlich belegter Tatsachen und die Verbreitung „alternativer Fakten“. „An der Freiheit der Wissenschaft lassen wir nicht rütteln“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller bei der Kundgebung in Berlin. Müller ist auch Senator für Wissenschaft und Forschung. Zum Ende der Veranstaltung sangen die Teilnehmer vor dem Brandenburger Tor das Protestlied Die Gedanken sind frei (1885) [Zeitgemäße Variantion nach Konstantin Wecker Die Gedanken sind frei].

    „Wir können nicht akzeptieren, dass in Zeiten, in denen der Mensch diesen Planeten verändert wie nie zuvor in der Geschichte, Entscheidungen getroffen werden, ohne auf wissenschaftliche Fakten zurückzugreifen“, sagte der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Martin Stratmann, beim March for Science in München. Etwa 3.000 Menschen gingen dort nach Polizeiangaben auf die Straße. Auf ihren Transparenten standen Slogans wie „Forschen statt Faken“ und „Make Science Great Again“.

    In Genf wird ein Fest der Wissenschaft gefeiert

    Auch in anderen europäischen Städten wurde demonstriert: In der niederländischen Hauptstadt Amsterdam riefen Menschen vor dem Reichsmuseum dazu auf, wissenschaftliche Arbeit wieder mehr wertzuschätzen. In Genf kamen nach Angaben der Veranstalter etwa 600 Menschen zusammen, um erst durch die Stadt zu ziehen und dann mit der Bevölkerung ein Fest der Wissenschaft zu feiern. Vor der Präsidentschaftswahl am Sonntag fand auch in der französischen Hauptstadt Paris eine Demonstration statt.

    In Großbritannien bekam der March for Science wegen des Brexits eine besondere Bedeutung. Die Wissenschaftler befürchten, dass der Austritt Großbritanniens aus der EU internationalen Forschungsprojekten schaden könnte und Experten aus der EU nicht mehr nach Großbritannien kommen, wenn die Rechte von EU-Ausländern durch den Brexit eingeschränkt werden sollten.

    Der Hauptprotestmarsch fand in den USA statt. Dort versammelten sich mehrere tausend Menschen in Washington, die zum Kapitol ziehen wollen. Nach dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump wächst in dem Land die Angst vor einer neuen Ära der „alternativen Fakten“. Aber auch in anderen Ländern wie beispielsweise der Türkei und Ungarn wird die freie Wissenschaft immer stärker eingeschränkt.

    „Wir brauchen Denker, keine Leugner“

    Zum Auftakt der Proteste waren in Australien und Neuseeland Tausende Menschen auf die Straße gegangen. In Sydney trugen viele der Demonstranten weiße Laborkittel, auf Spruchbändern war zu lesen: „Ohne Wissenschaft ist alles nur Fiktion“ sowie „Wir brauchen Denker, keine Leugner“.

    Weitere Demonstrationen waren unter anderem in Argentinien, Brasilien, Kanada, Kolumbien, Costa Rica, Dänemark, Island, Indien, Japan, Mexiko, Panama, Norwegen, Portugal, Südafrika, Südkorea, Uganda und der Schweiz geplant.

  • Jörg Beger

    23. April 2017 at 22:56

    Die berechtigten Angriffe auf Trump und die „Rechtspopulisten“ wirken wie ein Schutzschild für die etablierten Kriegsführer und Neoliberalen. Chomsky klärt mal wieder auf.

    Der US-amerikanische Linguist und kritische Beobachter Chomsky hat dem ORF ein interessantes Interview gegeben. Siehe hier. Der begleitende Text des ORF dazu ist hier einzusehen und unten zitiert und kommentiert. Chomsky macht freimütig klar, dass die Politik von Obama, Clinton und co. nicht sehr viel besser war und dass die Politik dieser Gruppe und ihrer Freunde in Europa mitverantwortlich sind für Rechtspopulismus. Sie sind „Quellen der Wut, der Unzufriedenheit und der Verzweiflung der Menschen“. Albrecht Müller.

    Es ist gut, dass Chomsky den Finger in die Wunde legt. Denn andernfalls würde mit den berechtigten Attacken auf Trump wie auch mit den Klageliedern über das (vermutliche) Anwachsen der Rechten in Frankreich am morgigen Sonntag und anderswo später vergessen gemacht, wem wir dieses Elend zu verdanken haben.

    Unter den Wählern dieser Parteien sind solche Menschen, „…denen ihre Arbeit, ihre Würde und ihre Aussichten auf wirtschaftliches Vorankommen genommen wurden. All das geschah durch eine Politik, die dazu gemacht ist, Wohlstand und Macht in den Händen weniger zu konzentrieren und den Rest vor sich hinvegetieren zu lassen.“

    Die Konzentration auf das Angriffsziel Trump macht das alles nahezu vergessen. Gut, dass der alte Mann Chomsky jung geblieben ist, und gut, dass es im Sender ORF Journalisten wie Johannes Perterer gibt.

    Hier da noch weitere Auszüge aus dem Text des ORF mit Originalzitaten von Chomsky:

    Scharfe Abrechnung mit der US-Politik

    Der emeritierte Linguistik-Professor und politische Intellektuelle Noam Chomsky sieht die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten als ein Ergebnis neoliberaler Politik. Trump selbst habe keine Ideologie, führe mit seiner Klimapolitik die Welt aber „in Richtung Selbstzerstörung“.

    Trump ist der 16. US-Präsident, den der 88-Jährige miterlebt. Verglichen mit den anderen sei er dennoch einzigartig, weil „er ein Showman ist, der keine bestimmte Ideologie hat. Die einzige Ideologie, der er folgt, ist er selbst“, sagte Chomsky in seinem Büro in der Eliteuniversität Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge im Gespräch mit dem ORF.

    Profitmaximierung und „Talibanisierung“

    Er müsse immer alle Kameras auf sich ziehen und zeigen, „dass er härter im Nehmen ist als alle anderen“. Gleichzeitig verfolge der rechte Flügel der Republikaner jedoch seine Agenda, „nämlich alle Teile des Staates aufzulösen, die für das Allgemeinwohl verantwortlich sind und der Profitmaximierung von Großkonzernen und den Reichen in der Gesellschaft im Wege stehen“. Doch das würde niemand thematisieren.

    Der amerikanische Sprachwissenschaftler Noam Chomsky spricht über Donald Trump, die Erstarkung des Rechtspopulismus sowie die Unterwürfigkeit der Medien.

    Zugleich werde eine Art „Talibanisierung“ Amerikas betrieben. Kunst und Geisteswissenschaften würden eliminiert. Das Programm mit Justizminister Jeff Session, Bildungsministerin Betty DeVos und Chefberater Steve Bannon sei ziemlich eindeutig, nämlich die USA in eine jüdisch-christliche White-Supremacy-Kultur zu verwandeln.

    Atomwaffen und Klimawandel

    Für die amerikanische Demokratie sei Trump eine „Abrissbirne“, die die laut Chomsky gefährlichsten Programmatiken der Obama-Administration weiterführe: Eine davon sei die Modernisierung des amerikanischen Atomwaffenarsenals. Als gefährlichste Agenda, die momentan aus dem Weißen Haus kommt, sieht Chomsky jedoch die Haltung Trumps zum Klimawandel.

    Auf diese zwei Bedrohungen richtet Chomsky derzeit sein Hauptaugenmerk: „Bei der atomaren Bedrohungen wissen wir zumindest prinzipiell, wie man damit umgehen kann: durch die Reduktion der Anzahl von Atomwaffen und schlussendlich durch ihre Vernichtung.“ Die drohende Umweltkatastrophe scheint jedoch unaufhaltsam zu sein: „Wir wissen, was man dagegen tun kann, und manche Länder tun auch einiges. Aber wenn nie viel schneller viel mehr dagegen unternommen wird und sich die Klimapolitik der USA nicht drastisch verändert, besteht eine gute Chance, dass wir einen Punkt ohne Wiederkehr erreichen.“

    Trump als Folge neoliberaler Politik

    Den politischen Aufstieg Trumps sieht Chomsky als eine Konsequenz und gleichzeitig als eine Fortsetzung neoliberaler Politik. Diese erzeuge durch die Deregulierung der Märkte und Einsparungen beim Sozialstaat eine größere wirtschaftliche Ungleichheit. Um den Neoliberalismus und die Auswirkungen wirtschaftlicher Ungleichheit auf Gesellschaften geht es auch in seinem neuesten Buch „Requiem für den amerikanischen Traum: Die 10 Prinzipien der Konzentration von Reichtum und Macht“.

    [Zwischenbemerkung Albrecht Müller: Bewundernswert, dass dieser 88-jährige noch ein Buch zu schreiben vermag und das auch noch zu einem so wichtigen Thema.

    Weiter mit dem Text des ORF; die folgende Beobachtung zur Rechtsentwicklung bei den Demokraten können wir auf Deutschland und Europa übertragen bestätigen: mit Schröder, Blair, Hollande und Co. war das nicht anders:]

    Von Demokraten enttäuscht

    Von der Demokratischen Partei in den USA ist Chomsky zutiefst enttäuscht: „Die Demokratische Partei hat die Arbeiterklassen vor etwa 30 bis 40 Jahren mehr oder weniger im Stich gelassen. Deshalb haben die Menschen bei der letzten Präsidentschaftswahl ihren erbitterten Klassenfeind zum Präsidenten gewählt.“

    Auch von der momentanen Strategie der Demokraten hält Chomsky nicht viel: „Sehen Sie sich an, was der Obama-Clinton-Flügel der Demokraten momentan macht. Worauf konzentrieren sie sich? Nicht darauf, wie etwa Arbeitnehmerrechte ausgehöhlt werden oder auf den Klimawandel. Sie konzentrieren sich auf die triviale Frage, ob die Russen versucht haben, in den heiligen amerikanischen Wahlprozess einzugreifen, während die halbe Welt darüber in Gelächter ausbricht. Schauen Sie sich an, wo die USA überall nicht nur Wahlen manipuliert, sondern Regierungen gestürzt haben!“

    Chomsky sieht ein Driften der Politik nach rechts seit den 1970er Jahren: Die Inhalte, mit denen Bernie Sanders als linker Präsidentschaftskandidat für Aufsehen gesorgt hatte, würden sich kaum von denen von Dwight Eisenhower in den 1950er Jahren unterscheiden. Nur: Eisenhower war Republikaner.

    Rechtspopulismus als logische Folge

    Auch den Rechtspopulismus im Rest des Westens sieht Chomsky als ein Ergebnis neoliberaler Politik: „Was gegen den Rechtspopulismus getan werden muss, ist die Quellen der Wut, der Unzufriedenheit und der Verzweiflung der Menschen zu untersuchen, die sich ihm zuwenden.“ Eine davon sei, dass diese Menschen in der neoliberalen Periode im Stich gelassen worden sind.

    „Das sind Menschen, denen ihre Arbeit, ihre Würde und ihre Aussichten auf wirtschaftliches Vorankommen genommen wurden. All das geschah durch eine Politik, die dazu gemacht ist, Wohlstand und Macht in den Händen weniger zu konzentrieren und den Rest vor sich hinvegetieren zu lassen.“ Die richtige Antwort auf den Rechtspopulismus sei, dass man diese Probleme lösen müsse.

    Politisches Programm bei Krisenbewältigung

    Auch die europäische Politik bekommt von Chomsky unter Berufung auf den Ökonomen Mark Weisbrot ihr Fett ab. Die Krisenbewältigung in Europa von 2008 bis 2011 habe die Agenda gehabt, die sozialdemokratischen Prozess Europas in der Nachkriegszeit abzubauen und ein System wiederherzustellen, das auf die Interessen der Banken und der Reichen ausgerichtet sei. Wirtschaftlich seien die Programme absurd gewesen, das hätten auch die Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF) so gesehen.

    Zudem sei sichergestellt worden, dass die Entscheidungsfindung aus den Händen der Bevölkerung genommen wurde. Im Fall Griechenland übernahm die Troika das Kommando. Als die griechische Regierung „den unverschämten Vorschlag machte, dass die Griechen vielleicht gefragt werden sollten“, hätten die europäischen Eliten wütend reagiert – und die Auflagen für Griechenland noch härter gemacht. In Europa würde also eine ähnliche Politik wie die von Trump gemacht, „nicht ganz so extrem, aber ähnlich“.

    Medien „zu unterwürfig“

    Auch bei seiner Medienkritik bleibt Chomsky streitbar: Die Massenmedien würden nicht genügend über diese Themen berichten und seien Politikern gegenüber zu unterwürfig: „Es gibt ein Konzept von Objektivität in den Medien, das sogar in Journalismusschulen unterrichtet wird. Objektivität bedeutet im Journalismus, dass man präzise berichtet, worüber in Washington diskutiert wird.“ Wenn man also berichtet, was die da oben sagen, gelte man als objektiv.

    Wenn man aber etwas anderes sage, gelte man als voreingenommen: „Wenn man also bei den republikanischen Vorwahlen als Journalist geschrieben hätte, dass jeder republikanische Präsidentschaftskandidat dafür ist, jegliche Perspektive auf das Überleben der Menschheit so schnell wie möglich zu zerstören, wäre man voreingenommen gewesen. Es wäre aber die Wahrheit gewesen.“

    Johannes Perterer, ORF/ Christian Körber (Bearbeitung), ORF.at

    19.4.2017

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