Erdoel. Macht. Geschichte.

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Die Entdeckung des Erdöls glich seinerzeit einem Wunder: Petroleumlampen erhellten Wohnzimmer wie nie zuvor, ölbetriebene Maschinen arbeiteten so effektiv wie 50 Arbeitskräfte. Seine Kraft bescherte der Menschheit ein nie gekanntes Wirtschaftswachstum. John D. Rockefeller wurde durch Öl zum ersten Milliardär. Aber der Rohstoff sollte zwei Weltkriege entscheidend beeinflussen.

Mitte des 19. Jahrhunderts erhellten zum ersten Mal ölbetriebene Petroleumlampen die Wohnzimmer. 50 Jahre später verhalf Benzin dem Auto zu einer unvergleichlichen Erfolgsgeschichte. Im 21. Jahrhundert erweiterte sich die Stoffpalette des petromodernen Way of Life immer rasanter: Reinigungsmittel, Pharmaka, Kosmetik, Plastikspielzeug – keine Kreditkarte ohne Plastik und auch die Computerwelt ist eine Öl-Welt. Tastaturen und Monitore, Smartphone- und Tablet-Gehäuse – alles basiert auf dem Rohstoff. Deshalb war und ist der Ölpreis die wichtigste Zahl der Erde.

Andreas Sawall zeichnet in zwei Teilen den weltweiten Siegeszug des Erdöls nach: von den Anfängen seiner industriellen Ausbeutung in den USA zum wichtigsten Schmierstoff internationaler Beziehungen und Auslöser globaler Krisen. Anhand zahlreicher Fundstücke aus internationalen Archiven und mittels Interviews wie mit dem Physiker Harald Lesch, dem italienischen Historiker Giuliano Garavini, dem Schweizer Buchautor und Journalisten Daniel Ammann und anderen entsteht ein vielschichtiges Porträt eines Rohstoffs, der über viele Jahrzehnte – und bis heute unverändert – unseren Alltag prägt.

Die aufwendige Recherche bilanziert, wie das schwarze Gold schon vor mehr als 100 Jahren Begehrlichkeiten weckte. Das Spannende: Öl macht nicht nur Geschäftsleute, sondern auch demokratisch gewählte Regierungen moralisch äußerst flexibel.

Dokumentation von Andreas Sawall (D 2020, 53 Min) .

Teil 1: https://youtu.be/W8c81fDX3Vc

Teil 2: https://youtu.be/Fa2VpYhxc0Y

Macht und Erdöl sind untrennbar verbunden. Wie das schwarze Gold bestehende Machtverhältnisse über Nacht verändern kann, bekam der Westen 1973 zu spüren: Die OPEC verringert die gelieferte Ölmenge als Strafe für die Einmischung in den arabisch-israelischen Krieg. Plötzlich machte Öl Politik…

Die Ölkrise 1973 war rückblickend eine vertane Chance. Die Forschung stand in den Startlöchern, um Technologien für den Einsatz erneuerbarer Energien zu entwickeln. Stattdessen hat bis heute kein politischer oder wirtschaftlicher Konflikt und kein Krieg die Abhängigkeit vom Öl verändert. Im Gegenteil, der petromoderne Way of Life hat unser Leben voll im Griff: Egal ob Reinigungsmittel, Pharmaka, Kreditkarte oder Smartphone – alles basiert auf dem Rohstoff. Eine Abkehr vom Öl scheint unvorstellbar. Öl ist noch immer in großen Mengen verfügbar und billig. Vorbei die Annahme, die USA würden ewig auf den Nahen Osten angewiesen sein. Die hochumstrittene Fracking-Technologie ließ die USA zum weltgrößten Ölproduzenten aufsteigen. Auch Russland möchte weiterhin aus seinen Bodenschätzen den größtmöglichen Profit schlagen. Die Karten im Öl-Poker werden gerade wieder neu gemischt. Doch die wichtigste Frage der Zukunft ist die gleiche, die man sich schon 1973 gestellt hatte: Schafft die Menschheit es, sich aus der Abhängigkeit des schwarzen Goldes zu befreien? Anekdotenreich und vielschichtig zeichnet Andreas Sawall den Aufstieg des klebrigen Rohstoffs zum globalen Schmierstoff bis zum heutigen Tage nach, mittels Archivaufnahmen und zahlreicher Interviews wie mit Harald Lesch oder Daniel Ammann, dem Autor des Buches „King of Oil“.

Dokumentation von Andreas Sawall (D 2020, 53 Min)

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