Mit weniger Arbeitszeit besser leben

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Eine
fossile Wirtschaft kann nicht nur niemals nachhaltig sein, weil sie
auf die beschleunigte Verbrennung von Rohstoffen baut, die in
Jahrmillionen entstanden sind; sie macht die Gesellschaften, die auf
sie bauen, auch in höchstem Maße abhängig und verwundbar.

Wenn
ihnen der Stoff ausgeht, sind sie so hilflos wie der Junkie ohne
Nachschub an Heroin. Das ist, gespiegelt an unendlich vielen
Teilphänomenen unserer Wachstumswirtschaft, die Juliet Schor in
ihrem Klassiker Plenitude* herausarbeitet, der Befund, der uns
dringender denn je herausfordert, den Pfad des »Business as usual«
zu verlassen und uns etwas anderes einfallen zu lassen, was zugleich
ein auskömmliches Leben und eine moderne Staatlichkeit garantiert.

Um nichts weniger geht es der Soziologin Juliet Schor, und damit ragt ihre Studie aus dem Gros der einschlägigen Literatur zur Nachhaltigkeit und zum Postwachstum heraus: Sie konstatiert nicht nur das Versagen der konventionellen Ökonomie, den ökologischen Problemen wirksam zu begegnen, sondern entwickelt auch ein im besten Sinn ganzheitliches Konzept einer anderen Lebens- und Wirtschaftsweise, mit der man durch das 21. Jahrhundert kommen kann.

Schor hat ihr Buch ursprünglich vor dem Hintergrund des Kollapses der Finanzwirtschaft geschrieben, nicht zuletzt in der Hoffnung, dass das hier deutlich gewordene Totalversagen des Neoliberalismus, vernünftige wirtschaftliche und gesellschaftliche Ordnungen zu etablieren, zu einer schnellen Umkehr und damit zum Konzept von »Plenitude« führen könne. Inzwischen zeigt der Neoliberalismus in jedem gesellschaftlichen Teilbereich von der Sicherheit über die Ökologie bis hin zur Ökonomie selbst, dass er die zugleich trivialste wie zerstörerischste Form von Wirtschaft feiert, die die Moderne hervorgebracht hat: Märkte allein können Zusammenleben eben nicht regeln, dazu bedarf es etwas mehr – Normen zum Beispiel, Recht, Abwägung, Teilen, Kooperation und Zeit, um das alles demokratisch auszuhandeln.

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hier.

*Der Begriff »Plenitude« bezeichnet das zentrale Konzept dieses Buches und lässt sich nur unbefriedigend ins Deutsche übersetzen. Er bedeutet so viel wie »Fülle« und »Überfluss«, aber auch »Vielfalt« und »Vollkommenheit«.

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