Demokratie ist voller Lösungen

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Demokratie und Partizipation sind der Anfang des gemeinsamen Handelns

Einflussreiche Lobbygruppen, verkrustete politische Strukturen und wahltaktische Manöver haben die Demokratie geschwächt und zu einer immer größeren Politikverdrossenheit geführt. Doch in einigen Ländern wie in Island wird uns vorgemacht, wie demokratische Partizipation aussehen könnte. Hier haben die Bürger nach dem Finanzcrash 2008 die Regierung aus dem Amt gejagt und energisch mehr Mitbestimmung und Kontrolle eingefordert.

Schließlich wurde gemeinsam mit den Bürgern eine neue Verfassung geschrieben und beschlossen, dass von nun an jeder Bürger Gesetze vorschlagen kann. Politik wird so von einer Sache der Experten zu einer Sache, die jeden angeht. Die indische Wissenschaftlerin und Aktivistin Vandana Shiva geht sogar so weit zu sagen, dass es unter bestimmten Bedingungen sogar notwendig sein kann, gegen bestehende Gesetze zu verstoßen, wenn diese nicht dem Allgemeinwohl dienen:

Wir sollten höhere Gesetze achten. Dafür gibt es zwei Kategorien.

Erstens: das Gesetz der Erde. […] Alles, was unserer Verantwortung für die Erde entgegensteht, dürfen wir nicht unterstützen. Zweitens: alles, was den Menschenrechten widerspricht. Alles, was unserem Menschsein zuwiderläuft und was unsere Freiheit und Unabhängigkeit mindert, dürfen wir nicht unterstützen.“

Viele Gesprächspartner im Film artikulieren den Willen, mehr Verantwortung zu übernehmen. Die Verbesserung der politischen Partizipation nützt allen: der Gemeinschaft, aber auch dem Einzelnen, der sich engagiert. Warum, fragt sich der Historiker David van Reybrouck deshalb, machen wir die politische Aktivität nicht wenigstens versuchsweise zu einer Bürgerpflicht und entscheiden per Los, wer für eine festgelegte Zeitperiode Teil eines politischen Gremiums wird. Ähnlich der Berufung von Schöffen vor Gericht könnten Parlamente und andere Institutionen zur Hälfte aus Laien bestehen. Wer einmal erlebt hat, was es heißt, Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen, der wird es vielleicht auch weiterhin tun, so die Überlegung.

Rob Hopkins aus Totnes setzt nicht auf den Zufall, sondern auf den Wunsch jedes Menschen nach einem sinnhaften Leben. Er hat die Erfahrung gemacht, dass die Menschen, die aus ihren Städten „Cities in transition“ machen, nach und nach eine größere Zufriedenheit entwickeln. Sie erleben die Verantwortung als sinnstiftendes Element. Auf diesen Prozess setzt auch der indische Ingenieur Elango Rangaswamy, als er Bürgermeister der indischen Kleinstadt Kutthambakkam wird. Indem er die „Versammlung der fünf Weisen“ (Panchaya), ein in indischen Dörfern übliches System lokaler Regierungen für alle Dorfbewohner, öffnete, gelingt es ihm, mehr Menschen in die politischen Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Die Strategie, gemeinsam zu entscheiden und die Entscheidungen dann gemeinsam umzusetzen, geht auf. Die Bewohner fühlen sich heute für ihre Stadt verantwortlich und Elango Rangaswamy gibt seine Ideen nun in Bürgermeisterkursen an andere Menschen weiter.

Filmhinweis (Trailer), hier.

Filmhinweis 2 (Trailer), hier.

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