Film über Klimabewegung

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Ein Interview. Das Freiburger Medienkollektiv „cine rebelde“ hat einen neuen Film über die Klimabewegung veröffentlicht. Die inspirierende Dokumentation fängt die Stimmung in der vielfältigen Bewegung gut ein und gibt Menschen eine Stimme, die in Mainstream-Medien kaum vorkommen. Die SolarRegion sprach mit Luciano Ibarra. / Von Karin Jehle, fesa e.V.

Luciano Ibarra ist Filmemacher, Journalist und Referent. Er hat langjährige Erfahrung im umwelt und sozialpolitischen Bereich. Er ist Mitbegründer des Freiburger Medienkollektivs „cine rebelde“, sowie der Kooperative für solidarische Landwirtschaft „Gartencoop Freiburg“.

Am 30. September wurde „Beyond the Red Lines“ in Freiburg uraufgeführt. Wo und wann hat das Team von cine rebelde gedreht?

Der Film porträtiert drei Initiativen im Vorfeld und während des Weltklimagipfels COP21 in Paris. Wir haben von Juli bis Dezember 2015 gedreht und zusätzlich Material aus Aktionen im Rahmen der internationalen „break free from fossil fuels“ Kampagne vom Mai 2016 verarbeitet. Der Film zeigt Orte, an denen Menschen direkt um das Klima verhandeln. Wir filmten, wie 1.300 Menschen in den Rheinischen Braunkohletagebau Garzweiler eindringen und ihre Körper in den Weg von gigantischen Kohlebaggern stellen, um Europas größte CO2-Quelle für einen Tag lahmzulegen. Diese spektakuläre Großaktion war die Geburtsstunde des Bündnisses „Ende Gelände“. Im Film kommen zudem Menschen zu Wort, die den Import fossiler Brennstoffe am Hafen von Amsterdam im Rahmen der „climate games“ blockieren. Auch zeigt er uns Menschen der französischen Alternatiba-Bewegung, die eine 5.600 Kilometer lange Fahrradtour vom Baskenland nach Paris machten, um unterwegs unzähligen lokalen Initiativen eine gemeinsame Stimme für eine klimagerechte Welt zu verleihen. Wir dokumentierten, wie anlässlich des Weltklimagipfels trotz des ausgerufenen Notstands Zehntausende ihre Forderungen auf die Straßen von Paris tragen.

Welche Botschaft vermittelt der Film?

Ich denke, der Film vermittelt mehrere Botschaften, da wir vielfältige AkteurInnen der Klimabewegung zu Wort kommen lassen. Der Film verzichtet übrigens komplett auf eine Erzählerstimme aus dem Off und besteht fast ausschließlich aus Beiträgen der ProtagonistInnen selbst. Unterm Strich lassen sich ein paar politische Kernaussagen festhalten. Immer mehr Menschen in der Klimabewegung sagen „Es reicht! Bis hier und nicht weiter. Ende Gelände“. Die Klimaerwärmung hat heute bereits bedrohliche Ausmaße erreicht. Es ist einfach an der Zeit, das Verbrennen fossiler Brennstoffe komplett einzustellen. Um zu zeigen, wie ernst die Lage ist, ist es notwendig, Regelübertritte zu begehen. Der im Film dokumentierte massive zivile Ungehorsam steht in Verhältnis zum Ernst der Lage. Auf der anderen Seite wollen viele Menschen in der Klimabewegung nicht warten, bis die Herrschenden richtige Entscheidungen treffen. Sie nehmen die Transformation hin zu einer klimagerechten Gesellschaft selber in die Hand. Der Film soll dazu einen Beitrag leisten. Filme verändern die Welt nicht, aber soziale Bewegungen schon. Filme über inspirierende soziale Bewegungen haben enormes Potenzial.

Was waren die nachdrücklichsten Impressionen an den Drehorten?

Als ich den Braunkohletagebau zum ersten Mal gesehen habe, die Größe und den Eingriff in die Natur wahrgenommen habe, hat mich das überwältigt und sprachlos gemacht. Es hat etwas Apokalyptisches. Im Hafen von Amsterdam ging es mir ähnlich. Die schier endlose Infrastruktur an Kränen, Schiffen, Containern, Erdöldepots und Kohlebergen ist erdrückend. Auf der anderen Seite haben mich die vielen Menschen sehr beeindruckt und inspiriert. Ihre Entschlossenheit und der Wille, gegen scheinbar festgefügte Verhältnisse anzugehen, die endlose Kreativität der vielfältigen Aktionen, die Bereitschaft, Regeln mit Witz, Gelassenheit und Leidenschaft zu übertreten. Der Mut, trotz ausgerufenen Notstands auf den Straßen von Paris zu demonstrieren und dabei sechs Monate Gefängnis zu riskieren. Diese Verbundenheit, die daraus resultiert, die Visionen und die Utopie wollten wir im Film als Quelle der Inspiration festhalten.

Wo kann man den Film zu sehen bekommen?

Der Film kann im Internet umsonst als Stream angeschaut werden. Es gibt auch die Möglichkeit, den HD-Download und die DVD für einen Preis nach Selbsteinschätzung zu bestellen. Durch den kostenlosen Stream nehmen wir uns eine Refinanzierungsmöglichkeit, aber wir vertrauen darauf, dass Menschen und Gruppen den Film bestellen oder spenden werden, um unsere Arbeit weiterhin zu ermöglichen. Der Film ist ein Informations- und Mobilisierungstool. Wir hoffen, dass viele Klimabewegte ihn aufgreifen werden, um ihn in ihrer Stadt, in ihrem Lieblingskino oder im WG-Wohnzimmer zu zeigen. Filmvorführungen werden bereits in vielen Städten organisiert.

Das vollständige Interview finden Sie hier: http://www.solarregion.net/news/systemwandel-statt-klimawandel

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