Zeitbank 55+ oder Formen der Alterssicherung

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Protokoll des 5. Treffens der TT FR Gruppe „Gerechtes Wirtschaften„  am 18. Oktober 2011 in FR

Anwesend: 7 (1neu)

Aus dem Beitrag von Rudi Eichenlaub zum Thema Zeitbank 55+ Freiburg Ost: eine erprobte Form der Alterssicherung

Ziel des heutigen Termins: die Gruppe über die Rudi berichten wird, ist in der Entwicklung, einige Fragen sind noch nicht zuende diskutiert. Mit dem heutigen Gespräch möchte sich Rudi über manche Fragen mehr Klarheit verschaffen und prüfen, welche Fragen auch von unserer Seite noch aufkommen, die diskutiert werden sollten.

Im einleitenden Gespräch fielen einige Schlagworte und Initiativen, die sich teilweise mit dem Thema Zeitbank überschneiden:

  • Lebensdorf
  • Tauschring
  • Genova (gegenseitiges Begleiten bis zum Sterben)
  • Geschenkmarkt
  • Nachbarschaftshilfe Freiburg

Ziel dieser Initiativen sind immer Vernetzung und Tausch, bzw. gemeinsames Nutzen von Ressourcen und Vermeiden von Ausgrenzungen.

Zeitbank 55+ Freiburg Ost ist eine Initiative des AWI e.V. (alternative Wohinitiative e.V. ,selbstbetreutes Wohnen im Alter)

Wohninitiativen in Freiburg sind im „Netzwerk gemeinsames Wohnen“ zusammengeschlossen, deren Vertreter sich einmal im Monat treffen. Am 19. November findet in der Katholischen Hochschule ein Wohnprojektetag statt, bei dem es darum geht,  für solche Initiativen in Freiburg eine größere Unterstützung zu erreiche, um ein solches Mehrgenerationenwohnen und Barrierefreiheit realisieren zu können. Ein Partner für solche Projekte ist bisher nur der „Bauverein Breisgau e.V.“

Gegenüber bestehenden Projekten, die häufig mit einem Neubau beginnen,  hat sich die Gruppe, über die Rudi berichtet damit abgefunden, dass sie in der Nähe wohnen und auch, jedenfalls zunächst, ihre aktuelle Wohnsituation erhalten möchten. So wurde  innerhalb der AWI in einem Stadtteil Littenweiler obengenannte Initiative zeitbank 55+ gestartet.

Tauschring/Zeitbank – Komplementärwährung und/oder Solidargemeinschaft?


Eine Differenzierung zu anderen LETS (Local Exchange and Trade System) oder Tauschringen ist auch, dass es nicht Voraussetzung für das Funktionieren der Gruppe ist, dass alle Konten in der Summe 0 ergeben. Es werden vielmer alle geleisteten Stunden auf den jeweiligen Konten vermerkt, so dass die Summe aller Konten, die Summe der geleisteten Stunden ergibt, für die noch keine Gegenleistung in Anspruch genommen wurde. Das bedeutet, dass in einem bestimmten Rahmen auch Leistungen in Anspruch genommen werden können, für die noch keine Leistung erbracht wurde, „Geschenkte Stunden“ also. Um diese „Geschenkten Stunden“ zu verwalten, ist  ein getrennt geführten Sozialfonds oder Spendenkonto eingerichtet,  in dem die Summe aller geschenkten Stunden erfasst wird und auch aufgelistet für die einzelnen Mitglieder.

Wahrnehmung und Würdigung von Bedürfnissen und Möglichkeiten

Ein wichtiger Grundsatz ist, dass die Inanspruchnahme von Dienstleistungen, Stunden, Hilfe usw. nicht für den Beschenkten zur Schuldenlast wird, er oder sie nicht das Gefühl haben soll, bei anderen in der Schuld zu stehen.

Das Bewusstsein, dass es für das Zusammenleben wichtig ist, dass die angebotene Hilfe auch angenommen wird, soll gefördert werden.

Der Informationsfluss, die Wahrnehmung von Bedürfnissen und Möglichkeiten und deren Abgleich ist eine zentrale Herausforderung.

VerwaltungEs gibt eine Software zur Verwaltung von getauschten Stunden und Koordination der Zeitbudgetierung. Werden Leistungen in Anspruch genommen, wird dies über Tauschkarten dokumentiert. Diese werden in der Verwaltung gesammelt und in die Software eingegeben.

Jeder und jede Beteiligte kann jederzeit seinen Kontostand überprüfen.

Es gibt einen Vorstand aus z.Zt. 3 Personen.

Entscheidungsfindung

Entscheidungen werden in offenen regelmäßigen Treffen im Konsensverfahren getroffen (einmal im Monat).

Gruppengröße

Die Gruppengröße sollte überschaubar bleiben, maximal eine niedrige dreistellige Zahl, damit der persönliche Bezug zu den Leistungen bleibt und keine Anonymität aufkommt und das System nicht abstrakt wird.

Die Gruppe sollte möglichst Quartierbezogen sein.

Sie ist offen für neue, auch jüngere Leute und Familien.

Entwicklungsstatus

Der Lernprozess ist im Augenblick das Wichtigste

Notfälle

müssen von der Gemeinschaft getragen werden können.

Bezug zu Finanzstrukturen

Es soll jedenfalls kein Bezug zum Euro hergestellt werden.

Kosten

Der Beitrag kostet 30 Euro im Jahr. Dafür bekommt man die Mitgliedschaft in einer europäischen Haftpflichtversicherung (s.u.) und 5 Willkommensstunden.

Versicherung

Die Mitglieder sind über einen europäische Haftpflichtversicherung versichert bei ihren Dienstleistungen.

Einordnung

Es gibt eine übergeordnete Organisation (www.zeitbank.eu), dieser zugeordnet gibt es in Baden-Württemberg 5-6 Gruppen.

Die heute vorgestellte Gruppe ist ein gemeinnütziger Verein „Alternative Wohninitiative“ im Freiburger Osten, dem die Zeitbank 55+ Freiburg Ost als Initiative angegliedert ist. Diese Initiative gehört zur übergeordneten Organisation zeitbank.eu, allerdings mit der Vorgabe, nach einer Testphase das Konzept für die Stadt Freiburg zu überarbeiten, da es bisher nur in Landgemeinden funktioniert hat.

Offene Fragen

– wie wird das Nebeneinander von geleisteten und geschenkten Stunden verwaltet? (Stand der Überlegung: es sollte eine getrennte Buchführung dafür geben)

– wie wird damit umgegangen, wenn Leute von einer Gruppe in eine andere wechseln – können die erarbeiteten Stunden mitgenommen werden?

– kann / soll es eine Verbindung von Zeitbank und Komplementärwährung geben?

(Wenn überhaupt, dann nur zeitorientierte Währungen, keine mit Eurodeckung, ansonsten ist diese Frage noch offen)

 Weitere Infos:

Zeitbank 55+ Freiburg-Ost
http://www.spes-zukunftsmodelle.de/index.php?id=140

Zeitbank Film bei Impulswerkstatt, Heilbronn
http://www.impulswerkstatt-online.de/dokumentarfilme-zeitbank.html

SPES „Studiengesellschaft für Projekte zur Erneuerung der Strukturen“ (SPES = lat. Hoffnung) in Schlierbach Oberösterreich http://www.spes.co.at/

Seite der Gruppe „Gerechtes Wirtschaften“:http://ttfreiburg.wordpress.com/themengruppen/gerechtes-wirtschaften/. WeitereProtokolle der Gruppe.

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