Ernährungssouveränität ist…

…das Recht der Völker auf gesunde und kulturell angepasste Nahrung, nachhaltig und unter Achtung der Umwelt hergestellt. Sie ist das Recht auf Schutz vor schädlicher Ernährung. Sie ist das Recht der Bevölkerung, ihre Ernährung und Landwirtschaft selbst zu bestimmen. Ernährungssouveränität stellt die Menschen, die Lebensmittel erzeugen, verteilen und konsumieren, ins Zentrum der Nahrungsmittelsysteme, nicht die Interessen der Märkte und der transnationalen Konzerne. Sie verteidigt das Wohlergehen kommender Generationen und bezieht sie ein in unser vorsorgendes Denken. Sie ist eine Strategie des Widerstandes und der Zerschlagung derzeitiger Handels- und Produktionssysteme, die in den Händen multinationaler Konzerne liegen. Die Produzierenden sollen in ihren Dörfern und Ländern ihre Formen der Ernährung, Landwirtschaft, Vieh- und Fischzucht selbst bestimmen können. Ernährungssouveränität stellt lokale und nationale Wirtschaft und Märkte in den Mittelpunkt. Sie fördert bäuerliche Landwirtschaft, Familienbetriebe sowie den traditionellen Fischfang und die Weidewirtschaft. Erzeugung, Verteilung und Verbrauch der Lebensmittel müssen auf sozialer, wirtschaftlicher und umweltbezogener Nachhaltigkeit beruhen. Ernährungssouveränität fördert transparenten Handel, der allen Völkern ein gerechtes Einkommen sichert und den KonsumentInnen das Recht verschafft, ihre Nahrungsmittel zu kontrollieren. Sie garantiert, dass die Nutzungsrechte auf Land, auf Wälder, Wasser, Saatgut, Vieh und Biodiversität in den Händen jener liegen, die das Essen erzeugen. Ernährungssouveränität bildet und stützt neue soziale Beziehungen ohne Unterdrückung und Ungleichheit zwischen Männern und Frauen, Völkern, ethnischen Gruppen, sozialen Klassen und Generationen.

Im Forum Nyéléni haben wir in vielen Diskussionen und Gesprächen unser kollektives Verständnis von Ernährungssouveränität vertieft. Die Kämpfe anderer Bewegungen, die Selbstbestimmung bewahren und Macht zurückgewinnen wollen, sind uns bewusster geworden. Künftig kennen wir das Handwerkzeug besser, das wir brauchen, um unsere Bewegung aufzubauen und unsere gemeinsame Vision zu verbreiten.

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Wofür kämpfen wir?

Eine Welt in der …

in der alle Völker, Nationen und Staaten ihre eigenen Systeme und ihre eigene Politik der Lebensmittelproduktion bestimmen können, die jedem von uns kulturell angepasstes, erschwingliches, gesundes Essen guter Qualität garantiert;

in der die Rolle und die Rechte der Frauen in der Lebensmittelerzeugung sowie die Präsenz der Frauen in allen entscheidenden Gremien gefördert und anerkannt wird;

in der die Völker aller Länder in Würde leben können, ein angemessenes Einkommen für ihre Arbeit erhalten und nicht zur Migration gezwungen sind;

in der Ernährungssouveränität als Menschenrecht betrachtet und von den Gemeinschaften, den Völkern, den Staaten und den internationalen Institutionen gefördert und respektiert wird;

in der wir den ländlichen Raum, die Wasserreserven, die Landschaft und die kulturell angepasste Ernährung bewahren und wiederherstellen;

in der wir die Umwelt, das Land, den Boden, die Wälder, das Wasser, die Meere, das Saatgut, das Vieh und die gesamte Biodiversität auf achtsame und nachhaltige Weise pflegen und nutzen;

in der wir unsere Vielfalt an Fähigkeiten, Nahrungsmitteln, Sprachen und Kulturen, die Art, in der wir uns organisieren und unsere Stimme erheben, als humanen Wert anerkennen und schätzen;

in der eine umfassende Agrarreform den Bäuerinnen und Bauern die Rechte auf ihrem Land sichert, die Gebiete der autochthonen Völker verteidigt und ihnen zurückgibt, den Fischergemeinschaften den Zugang zu und die Kontrolle über ihre Fischereigebiete und Ökosysteme gewährleistet, die angestammten Weiderechte und Wanderrouten der Hirtenvölker respektiert; in der die Rechte aller ArbeiterInnen, annehmbare Arbeit gegen gerechte Entlohnung und der Jugend am Land eine Zukunft garantiert sind;

in der Agrarreformen die Beziehungen zwischen Produzierenden und Konsumierenden wiederbeleben, das Überleben der Gemeinschaft, die wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit, die ökologische Nachhaltigkeit und die Gemeindeautonomie sichern, mit gleichen Rechten für Frauen und Männer;

in der unseren Völkern das Recht auf Land und Selbstbestimmung garantiert wird;

in der wir friedlich und gerecht das Land unter der Bevölkerung aufteilen, ob wir nun Bäuerinnen und Bauern, indigene Gemeinschaften, traditionelle Fischer, Hirten oder andere sind;

in der bei Naturkatastrophen, von Menschen hervorgerufenen Katastrophen und Nachkriegssituationen Ernährungssouveränität als eine Art Versicherung den lokalen Wiederaufbau stärkt und negative Folgen mildert;

in der die betroffenen Gemeinschaften nicht passive Empfänger von Hilfsgütern sind, sondern starke, lokale Selbsthilfe-Organisationen, die den Wiederaufbau in die Hand nehmen;

in der alle Völker das Recht haben, ihr Land gegen den Zugriff transnationaler Konzerne zu verteidigen.

 

Broschüre, hier.

 

Materialien, hier.

 

Termine in FReiburg:

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# 09.04.2018: Netzwerktreffen: Konferenz 2018: Organisation von Raum, Programm, Finanzierung, Öffentlichkeitsarbeit & Trägerkreis.

# 27.02.2018; Crowdfunding zur Entwicklung der Crowdinvest Plattform für solidarische und regionale Landwirtschaft, hier.

# 19.02.2018; Netzwerktreffen: Konferenz 2018

#16.01.2018; 2. Netzwerktreffen: Nachhaltige Landwirtschaft & Ernährungssouveränität

# 23.10.2017; Vernetzungstreffen Nachhaltige Landwirtschaft und Ernährungssouveränität in Freiburg und der Welt.

Ein Schwerpunkt für unsere gemeinsame Arbeit hat sich dabei am Montag bereits herauskristallisiert – wir wollen gemeinsam das Nyeleni-Regionaltreffen für Süddeutschland, die Schweiz und Österreich im Herbst 2018 auf die Beine stellen! Die Idee war, die vom Suffizienznetzwerk ins Gespräch gebrachte Tagung für Praktiker*innen und Theoretiker*innen in der Landwirtschaft in diesem Nyeleni-Treffen aufgehen zu lassen, das Wolfgang Hees eingebracht hat. Um das Nyeleni-Treffen auf den Weg zu bringen, haben wir einen weiteren Termin in der KW 50 vereinbart.

# 14.10.2017; 1. Arbeitstreffen Konferenz Ernährungssouveränität/Nyeleni

# …

Ergänzende Hinweise:

SoLaWi Projekte der Region werden auch hier gelistet.

# 07.-09.03.2018; Global Congress on Global Peasants‘ Rights in Schwäbisch Hall. Weitere Infos folgen hier.

# 9.-11. Februar lädt das Gustav Stresemann Institut Bonn zu einem Seminar unter dem Titel „Urban Food – Sustainable Food? Städtische Nahrungsmittelproduktion im Globalen Norden wie im Globalen Süden“ ein. Weitere Infos hier.

# Stadtwachstum besonders: das man essen kann (2018)

# Nyéléni – Wir nennen es Ernährungssouveränität (2017)

# Agrarwende – Bauer sucht Zukunft. SWR odysso, 14.9.2017, hier.

# Die Ansiedlung von Gemüsebauern im Gemeindegebiet fördern (2017)

# Nachhaltige Entwicklung der Ernährungswirtschaft (2017)

# Erzeuger*innen unter Druck – verschwindet die kleinbäuerliche Landwirtschaft? (2017)

# Regio-Netzwerk: Praktische Zusammenarbeit fördern (2017)

# Das Kleinbauern-Dasein im Breisgau (2017)

Die Rechte der Kleinbauern weltweit stärken (2017)

Konsum regional erzeugter Lebensmittel (2017)

Ernährungssouveränität in Bewegung (2016)

Regionale Ernährung in Freiburg (2016)

# Die Zeit ist reif für Ernährungssouveränität. Broschüre, herausgegeben von Agrar Attac Austria (2013).

# Ernährungs-Souveränität (GAP – Gemeinsame Agrarpolitik). Attac TV 20.11.2011, hier.

# Europäisches Forum für Ernährungssouveränität/Nyéléni in Krems (Austria) am 21. August 2011. Filmdokumentation mit Untertiteln in deutsch, hier.


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