Auf dem Weg zur sozial-ökologischen Geldwende

Transition Town Freiburg geht davon aus, dass wenn wir in Freiburg überhaupt eine Chance haben wollen, dass unsere Bemühungen zur Nachhaltigkeit führen, werden wir eine unangenehme Zeit durchmachen, in der wir mit neuen Geldsystemen experimentieren. Realisierbare Komplementärgeldsysteme reichen gewiss allein nicht aus, um zu verhindern, dass wir weiterhin auf die Katastrophe zutreiben. Aber ohne sie haben wir überhaupt keine Chance, den Zusammenbruch zu vermeiden.

Sehr sehr vieles dreht sich heute um das Geld. In der Realität ist aber nicht das Geld der Auslöser der Wirtschaftsaktivitäten, sondern die begabten Menschen. Leider werden die Begabungen meistens dem Geldverdienen hingegeben und „geopfert“.

Wer aber das wirkliche Wesen des Geldes und verschiedene Währungs- und Geldsysteme verstehen lernt, dem eröffnen sich damit riesige Möglichkeiten, die Entwicklung von Mensch und Natur positiv zu beeinflussen. Jedoch hat das Menschenbild des homo oeconomicus die Lehre und Praxis der Volks- und Betriebwirtschaft nachhaltig einseitig geprägt: Rationalität zum eigenen wirtschaftlichen Vorteil – egal, wie groß der soziale und ökologische Fußabdruck für die nationale und internationale Volkswirtschaft und für zukünftige Generationen ist. Die Werkstatt Geldwende will den „homo civilis et oeconomicus“ ins Blickfeld nehmen – den Handabdruck jener Menschen und Gruppen, für die realwirtschaftliche Wertschöpfung den Zweck hat, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Bedürfnisse von Menschen zu befrieden. Das Verhältnis der Wirtschaft zur Gesellschaft soll sich ändern, ebenso der Blickwinkel der Gesellschaft auf die Wirtschaft.

In der Gesellschaft gibt es immer mehr Bürger*innen, die nicht nur Wahlbürger*innen und Steuerzahler*innen sein wollen, sondern auch Wirtschaftsbürger*innen, die Sozialunternehmen und Genossenschaften gründen und in vielfältiger Weise dem tradierten Verständnis des homo oeconomicus von Eigentum und Profit wirtschaftliche Alternativen entgegenstellen, um Wirtschaft und Gesellschaft als Gemeinschaft zu verbinden.

Welche Rahmenbedingungen braucht eine Freiburger Geld-, Finanz- und Wirtschaftsordnung, die diesen Aufgaben gerecht werden kann? Wir erleben eine wirkungsmächtige Zeit und einen Verlust an sicher geglaubten Gewissheiten und Selbstverständlichkeiten. Welche Werte halten unsere Gesellschaften zusammen? Was bleibt von der Europäischen Union, wie entwickelt sie sich weiter, wie stellen wir uns zu den auch von der EU wesentlich mit zu verantwortenden Ursachen von Flucht und Vertreibung aus Afrika und dem Nahen Osten?

Die Werkstatt Geldwende will den „homo civilis et oeconomicus“ ins Blickfeld nehmen – den Handabdruck jener Menschen und Gruppen, für die realwirtschaftliche Wertschöpfung den Zweck hat, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Bedürfnisse von Menschen zu befrieden. Das Verhältnis der Wirtschaft zur Gesellschaft soll sich ändern, ebenso der Blickwinkel der Gesellschaft auf die Wirtschaft.

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Dieses Geldsystem ist für viele Menschen etwas Selbstverständliches, ein neutraler und unvermeidlicher Aspekt unserer Gesellschaft. Bernard Lietaers Analysen legen andere Schlussfolgerungen nahe. Bernard Lietaer ist dabei nicht der einzige. Thomas Greco hat beispielsweise über dieses Thema geschrieben. Aber mit seiner Tiefe an praktischer Erfahrung, theoretischem Verständnis und historischer Einordnung im Hinblick auf das Finanzsystem steht Bernard Lietaer einzig da.

Beim Wissen über das Geld gibt es noch ein großes Vakuum, selbst bei denen, die es wissen sollten. Höchstes Bewusstsein von möglichst vielen Menschen kann hier entwickelt werden, um die Verhältnisse wieder vermehrt kontrollieren zu können.

Konkrete Vorschläge und soziale Innovationen im Kleinen wie im Großen werden für einen ganz neuen Umgang mit Geld bzw. mit verschiedenen komplementären Währungssystemen erarbeitet. Eine erweiterte Geldordnung kann auch die bewusste Veränderung der Arbeitsordnung ermöglichen, so dass auch „lebendige Arbeit“ für die Menschen im Lebensmittelpunkt steht. Dabei wird auch an eine radikal neue Bankordnung gedacht, die Lokalgeldschöpfung durch gemeinschaftsgetragene bürgerschaftliche „Spar- und Darlehenskassen“ in beträchtlichem Umfang ermöglicht. Ein Grundrecht auf Kredit für Sozialunternehmen wird europaweit eingeführt und beispielsweise in dezentralen bürgerschaftlichen Kreditinstituten in der Rechtsform von Genossenschaften verwirklicht. Die zukünftige Geldordnung und dessen Kreisläufe soll zur Heilung von Mensch und Natur beitragen.

Das vorherrschende sogenannte Fiatgeld, das von privaten Institutionen durch die Schaffung von Schulden (Verpflichtungen der Geldempfänger) ausgegeben wird, ist seit Jahrhunderten bei allen Nationen in Gebrauch. Längst sind seine tödlichen Wirkungen bekannt. Aber da es Schmerzsymptome zu lindern vermag, wird es gleichwohl genutzt. Wir können also nur hoffen, dass wir in diesem Jahrhundert weniger tödliche Alternativen einsetzen werden.

Vor Bernard Lietaers Arbeit, war es nicht bekannt, dass jemand das Finanzsystem als eine Ursache dafür bezeichnet hätte, dass unsere Gesellschaft auf ihren Zusammenbruch zueilt. Im Gegenteil – es wird überall und immer wieder betont, dass die globale Gesellschaft bereits durch geringfügige Veränderungen im Finanzsystem auf den Weg zur Nachhaltigkeit gebracht werden kann. Stattdessen ist es naheliegend, dass wir niemals Nachhaltigkeit schaffen werden, während wir ins gegenwärtige Finanzsystem verstrickt sind. Keine Steuer, kein Zinssatz und keine Veröffentlichungspflicht können die vielen Hindernisse beseitigen, mit denen das gegenwärtige Geldsystem Nachhaltigkeit blockiert.

Inzwischen ist bekannt, dass das vorherrschende Finanzsystem (Fiatgeld) in fünffacher Hinsicht mit Nachhaltigkeit nicht zu vereinbaren ist:

  • Es bewirkt in der Wirtschaft Zyklen von Boom und Bankrott,

  • es erzeugt ein kurzsichtiges Denken,

  • es erfordert ein Wachstum ohne Ende,

  • es konzentriert den Reichtum und

  • es vernichtet »Sozialkapital«

Jeder dieser Faktoren reicht wahrscheinlich aus, selbst den noch so sorgsam durchdachten Plan für einen Übergang (Transition) zur Nachhaltigkeit zu durchkreuzen. Zusammen sind sie Zutaten für eine Katastrophe, auf die sie uns gerade zusteuern lassen.

Ergänzungen:

# Ernst Wolff über Fassadendemokratie und das globale Finanzsystem (Cottbus am 8.11.2017), hier.

 

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