Permakultur – so heißt das Konzept, für das Bill Mollison 1981 den alternativen Nobelpreis bekam (vgl. hier). Inzwischen arbeiten Menschen in vielen Ländern der Erde an der Verwirklichung und Weiterentwicklung seiner Idee – dem Aufbau umfassender, sich selbst erhaltender Ökosysteme zum Wohl von Mensch und Natur.

1981 bekam Bill Mollison für seine Arbeit den von dem Schweden Jacob von Uexküll gestifteten »Alternativen Nobelpreis«, dem damals von der Öffentlichkeit noch genauso wenig Beachtung geschenkt wurde wie der von Mollison analysierten Krise unseres Planeten.

Bill Mollison schrieb die Permakultur als »positive« Erwiderung auf die Umweltkrise. Das heißt, sie beschäftigt sich mit dem, was wir tun wollen und können, anstatt mit dem, was wir ablehnen und andere für uns ändern sollen. Diese Erwiderung ist ebenso ethischer wie pragmatischer und ebenso philosophischer wie technischer Natur. Wie alle Ideen beruht auch die Permakultur auf einigen grundlegenden Annahmen, die wesentlich für ihr Verständnis und ihre Einordnung sind. Es lohnt sich, die Grundannahmen der Permakultur, die in »Permaculture One« (1978) anklangen, nochmals zusammenzufassen:

# Die Umweltkrise ist real und von einem Ausmaß, das die moderne globalisierte Industriegesellschaft bis zur Unkenntlichkeit transformieren wird. Dies bedroht das Wohlergehen, ja selbst das Überleben der wachsenden Weltbevölkerung.

# Die Auswirkungen der gegenwärtigen globalisierten Industriegesellschaften und der steigenden Weltbevölkerung auf das Wunder der Biodiversität sind weit größer, als es die umwälzenden Veränderungen der vergangenen Jahrhunderte gewesen sind.

# Zwar mag der Mensch in der natürlichen Welt eine ungewöhnliche Spezies sein, er unterliegt jedoch denselben naturwissenschaftlichen (Energie-)Gesetzen, die im materiellen Universum wirken, einschließlich der Evolution des Lebens.

# Die Förderung fossiler Brennstoffe im Industriezeitalter ist der Hauptgrund für die sprunghafte Explosion der Weltbevölkerung sowie der technischen und anderweitigen Neuerungen der modernen Gesellschaft.

# Obwohl unsere Zukunft ungeschrieben und einzigartig ist, werden wir – angesichts der Tatsache, dass fossile Brennstoffe binnen weniger Generationen unweigerlich zur Neige gehen werden – zu Grundmustern zurückkehren, die bereits heute in der Natur und in vorindustriellen, auf erneuerbaren Energien und Ressourcen angewiesene Gesellschaften beobachtet werden können.

Die Permakultur ist eine der ökologischen Alternativen, die aus der ersten großen Welle modernen Umweltbewusstseins in Folge des berichts an den Club of Rome von 1972 (»Die Grenzen des Wachstums«) und der Ölschock von 1973 und 1975 hervorgegangen ist.

Manche Prognosen aus den 70er Jahren über den Ressourcenschwund und den ökonomischen Kollaps haben sich – zumindest was den Faktor Zeit anbelangt – nicht bewahrheitet. Jedoch häufen sich die Indizien, dafür, dass schwindende Rohstoffe die menschliche Entwicklung nun nach drei Jahrhunderten raschen und einem halben Jahrhundert galoppierenden Wachstums in ihre Schranken weisen. Es gibt handfeste Beweise dafür, dass die gegenwärtige Erdölkrise (vgl. HOLMGREN 2002) das endgültige Aus für billige Energie bedeutet (vgl. CAMPBELL 1997). Modelle natürlicher Systeme legen nahe, dass uns ein Kollaps zu niedrigem Energie- und Ressoucenverbrauch aus größteteils erneuerbaren Quellen zurückführen wird und dass ein Rückgang der Weltbevölkerung wahrscheinlich ist. Innerhalb dieses generellen Szenarios sind nahezu unendlich viele – ermutigende wie erschreckende – verschiedene Wege und lokale Möglichkeiten vorstellbar.

Ebenfalls aus dem Jahr 1981 stammen die mit dem Titel »Permakultur konkret – Entwürfe für eine ökologische Zukunft« 1989 veröffentlichten Vorträge von Mollison, die er bei einem Permakultur-Planungs-Seminar in Wilton, USA gehalten hat. Vieles von dem, was Mollison als Grundlagen der Parmakultur mit der Planung und den Techniken darstellte, lies sich nicht unmittelbar auf deutsche Verhältnisse übertragen. So waren sicherlich die Grundstücksgrößen und Landschaftstypen, von denen er redete, in Mitteleuropa kaum zu finden, die rechtlichen Voraussetzungen waren und sind andere und viele Pflanzen- und Tierarten waren und sind bei uns nicht heimisch. Bei der Permakultur geht es allerdings nicht um das Nachmachen von Einzelheiten, sondern es geht um das Verständnis von Prinzipien (Kapieren statt Kopieren!), was die Vorträge von Mollison ohne Kürzungen und »Eindeutschungen« von Anfang an auch für Deutschland sinnvoll machte.

Seit der Veröffentlichung der ersten Permakulturbücher von Bill Mollison 1981 auf deutsch sind einige Jahre vergangen und auch die Bücher von Masanobu Fukuoka, der – auch wenn er aus einem völlig anderen Kulturkreis stammt – zu ähnlichen Ergebnissen wie Mollison kommt, haben einen großen Leserkreis gefunden. Doch noch immer steckt die Permakulturbewegung in Europa in den Anfängen, noch immer ist die Permakultur ein Außenseiter-Thema, das noch nicht die ihm eigentlich gebührende Aufmerksamkeit findet, obwohl »Grüne Ideen« und auch die permakulturellen Ideen inzwischen eine weitere Verbreitung gefunden haben. Vieles von dem was 1981 noch als Spinnerei galt, ist inzwischen Allgemeingut geworden und selbst in den Wahlprogrammen konservativer Parteien zu finden.

Das Permakulturkonzept ist das Ergebnis einer intensiven, wenn auch relativ kurzen Zusammenarbeit zwischen Bill Mollison (1928-2016) und David Holmgren Mitte der 1970er Jahre. Sie begannen zu experimentieren, zu entwerfen und zu schreiben. Mit Hilfe das japanisch sprechenden Australiers Andrew Jeeves integrierten sie die Ideen von Masanobu Fukuoka, übernahmen das Keyline-Konzept von P. A. Yeomans sowie F. H. Kings Beobachtungen zu den hochproduktiven landwirtschaftlichen Konzepten Asiens. Daraus erschufen sie das Konzept für eine dauerhafte Land-, Wasser- und Waldwirtschaft, welches sie permaculture nannten.

In ihrer Kollaboration formulierten Mollison und Holmgren eine Erwiderung auf die Bedrohung der modernen Gesellschaft durch die Umweltkrise. Die Veröffentlichung von »Permaculture One« im Jahre 1978 bildete den Höhepunkt dieses Aufbruchimpulses und war zugleich der Auftakt der Weiterentwicklung des Parmakulturkonzepts und der weltweiten Permakulturbewegung.

Nach dem Wirtschaftswachstum wohlhabender Nationen, im angloamerikanischen Raum durch die neoliberalen Reagan- und Thatcher-Regierungen der 1980er Jahre verkörpert, löste die öffentliche Wahrnehmung des Treibhauseffekts Ende der 1980er Jahre eine zweite Welle des Umweltschutzes aus, die auch zu mehr Interesse an der Permakultur führte. In den 1990er Jahren, als das öffentliche Bewusstsein von technischer Innovation und der New Economy absorbiert war, fand eine weitere Konsolidierungsphase statt. Das Aufkommen ökologischen Bewusstseins und ökologischer Innovation im letzten Viertel des 20. Jahrhundert kann als intensive Ballung von Aktivität, gefolgt von längeren, langsameren Konsolidierungsphasen betrachtet werden. Diese Phasen neuer Aktivität gehen meist mit einer Rezession des wirtschaftlichen Mainstreams einher (vgl. HOLMGREN 2016). Mit der Jahrtausendwende war die Zeit reif für eine dritte Welle des Umweltschutzes. Es ist zu erwarten, dass sich in dieser Phase das öffentliche Interesse auf viele Innovationen der zweiten Phase richten wird. Die Erfahrung der Vergangenheit legt nahe, dass in jeder neuen Phase auch neue Einsichten aufkommen, die die Annahmen der vorhergehenden Welle in Frage stellen.

Obwohl eine Zukunft mit geringerem Energie- und Ressourcenverbrauch unausweichlich scheint, sind die genaueren Umstände dieser künftigen Welt und ihrer verschiedenen Teile mehr als ungewiss. Die Permakultur ist ein kreativer Gestaltungsansatz, der auf eine Welt schwindender Energie- und Ressourcenverfügbarkeit reagiert. Obwohl vielen der Fokus der Permakultur auf die Pflegnutzung von Land und natürlichen Ressourcen als komplementär zum industriellen Fokus der Befürworter einer »grünen Technik« (vgl. HAWKEN, LOVINS ua. Öko-Kapitalismus) erscheint, gibt es auch deutliche Unterschiede:

Die Permakultur…

…setzt darauf, bestehende Ressourcen zur Erneuerung natürlichen Kapitals einzusetzen, insbesondere Bäume und Wälder als bewährte Wohlstandsspeicher, die die Menschheit in der Zukunft mit weniger fossilen Brennstoffen versorgen können;

…betont Umgestaltungsprozesse von unten nach oben (bottom up), die bei Individuen und Hausalten als Antrieb für Veränderung auf wirtschaftlicher, kommunalter und kultureller Ebene beginnen;

…wurde angesichts der Wahrscheinlichkeit formuliert, dass wir uns auf einen technischen, ökonomischen, ökologischen, ja, sogar auf einengesellschaftlichen Kollaps zubewegen; die Befürworter der »grünen Technik« sagen diesen Kollaps weder voraus, noch treffen sie Vorkehrungen dafür, obwohl er gegenwärtig bereits für viele Menschen in der aller Welt Realität ist;

…erkennt, dass vorindustrielle, nachhaltige Gesellschaften, in denen sich allgemeinere, in der Natur beobachtbare systemische Gestaltungsprinzipien widerspiegeln, über Modelle verfügen, die relevant für postindustrielle Systeme sind.

Insofern als die Permakultur eine wirksame Reaktion auf die Grenzen des Energie- und Ressourcenverbrauchs ist, wird sie sich von ihrem gegenwärtigen Status als »alternative Antwort auf die Umweltkrise« hin zum gesellschaftlichen und ökonomischen Mainstream der postindustriellen Zeit bewegen. Ob dies dann noch als »Permakultur« bezeichnet wird, ist zweitrangig.

Nachdem die Relevanz der Permakultur an einer Zukunft mit niedrigem Energieverbrauch festgemacht ist, ließe sich fragen, worin die Relevanz der Permakultur in einer schönen neuen Welt liegen könnte, in der Energie und Ressourcen in Hülle und Fülle vorhanden sind (beispielsweise dank Kernfusion, Genmanipulation, Weltallkolonien oder anderer ebenso erhoffter wie gefürchteter Szenarien)? Vermutlich würde sich der Einfluss der Permakultur dann auf das Leben relativ isolierter Individuen und Gruppen beschränken, die aus ethischen Gründen an minimalem Energie- und Ressourcenverbrauch festhalten.

Die universelle Anwendbarkeit der bei der Weiterentwicklung des Permakulturkonzepts seit den 1980er Jahren gesammelten Erfahrungen und Forschungen wurde erst durch Holmgrens Buch, das in Australien im Jahr 2002 unter dem Titel »Permaculture Principles. Pathways Beyond Sustainability« erschien, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht: Permakultur ist vielmehr als eine Form biologischen Gärtnerns.

Mit der deutschen Übersetzung dieses Buches von David Holmgren als »Permakultur – Gestaltungsprinzipien für zukunftsfähige Lebensweisen« (erst) im Jahr 2016 konnte die Permakultur einer weiteren Leserschaft, die sich vom Etikett »biologisches Gärtnern« nicht angezogen fühlte, nahegebracht werden. Fast vier Jahrzehnte waren vergangen, seit »Permaculture One« verfasst wurde; damals war Holmgren zwanzig Jahre alt. Insbesondere richtet sich »Permakultur – Gestaltungsprinzipien für zukunftsfähige Lebensweisen« an Aktivistinnen, Designer, Lehrerinnen, Forscher, Studentinnen und andere, die in den unterschiedlichsten Feldern mit den vieldiskutierten Fragen der Nachhaltigkeit ringen.

Inzwischen hat sich dieses Gestaltungssystem in Tausenden von unabhängigen Permakultur-Vereinigungen durch unzählige Sprachen über die ganze Welt verbreitet. Heute, mehr als 30 Jahre seit »Permaculture One« , dient dieses Werk all denen Menschen, die sich mit nachhaltiger Landwirtschaft, Wiederaufforstung, Bio-Architektur, Umwelterziehung, Ökodörfern und alternativen Lebensformen sowie Transition Towns, regionalen Komplementärwährungen und sozialökonomischen Themen auseinandersetzen und hierfür ein ganzheitliches Integrationskonzept suchen.

Als ganzheitliche Weise der Bodenbestellung erfreut sich die Permakultur (von englisch »permanent« und »agriculture«) seit den 1970er Jahren zunehmender Beliebtheit. Ihre umfassenden Ethik- und Gestaltungsprizipien lassen sich jedoch nicht nur auf Landbau und Ökologie im engeren Sinn, sondern auf eine Vielzahl von Lebensbereichen anwenden: Von Bildung, Gesundheit und Architektur bis hin zu Unternehmensführung und ganzen Wirtschaftssystemen weist die Permakultur Wege in eine postfossile Niedrigenergiekultur, die an organischen Kreisläufen, nicht an kurzfristigen Profiten orientiert ist. Aus jahrzehntelanger Praxiskultur destillierte David Holmgren Prinzipien, Methoden und Haltungen, die ein symbiotisches Miteinander des Menschen mit den ihn umgebenden Bioregionen, Tieren und Pflanzen ermöglichen. Der Mensch wird so nicht zum Schädling, sondern zum Nützling der Erde.

Der Begriff »Permakultur« (von englisch permanent und agriculture) wurde von Bill Mollison und David Holmgren Mitte der 70er Jahre geprägt, um »ein integriertes, sich entwickelndes System aus mehrjährigen oder sich vermehrenden einjährigen Pflanzen und Tierarten, die für den Menschen nützlich sind«, als Vision zu beschreiben.

Einer aktuelleren Definition zufolge, die den erweiterten Fokus seit »Permaculture One« widerspiegelt, geht es in der Permakultur um »die bewusste Gestaltung von Landschaften unter Nachahmung natürlicher Muster und Beziehungen, wodurch diese Nahrung, Pflanzenfasern und Energie in Hülle und Fülle zur Deckung lokaler Bedürfnisse hervorbringen«. Menschen sowie deren Gebäude und Organisationsweisen sind von zentraler Bedeutung für die Permakultur. Die Vision der Parmakultur hat sich von einer permanenten (nachhaltigen) Landwirtschaft hin zu einer permanenten (nachhaltigen) Kultur im umfassenden Sinn entwickelt.

Für viele, David Holmgren inbegriffen, ist diese Definition zu weit gefasst, um wirklich hilfreich zu sein. In einer präziseren Definition beschreibt Holmgren die Permakultur als Systemdenken und Gestaltungsprinzipien in Anwendung, die einen ordnenden Rahmen bilden, um die obengenannte Vision umzusetzen. Die Permakultur fasst die verschiedenen wiederzuentdeckenden und weiterzuentwickelnden Ideen, Fertigkeiten und Lebensweisen zusammen, die uns dazu ermächtigen, uns von abhängigen Konsumenten zu verantwortungsvollen, produktiv gestaltenden Bürgern zu entwickeln.

In diesem engeren, aber umso wichtigeren Sinn geht es in der Permakultur gar nicht um Landschaften per se oder um Fertigkeitenfelder wie biologisches Gärtnern, nachhaltige Landwirtschaft, Niedrigenergiebauweise oder Ökodorfentwicklung als solche. Die Permakultur kann jedoch dazu eingesetzt werden, um diese Fertigkeiten und alle anderen Bestrebungen von Individuen, Haushalten und Gemeinschaften, die sich der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft widmen, zu entwickeln, zu kultivieren und zu verbessern.

Die Entwicklung des »Global Ecovillage Network« (GEN) steht zwar in enger Verbindung mit der Permakulturbewegung. Der Großteil der in intentionalen Gemeinschaften involvierten Menschen betrachtet die Permakultur jedoch nach wie vor in erster Linie als umweltfreundliche Methode des Nahrungsanbaus, nicht als gestalterische und philosophische Grundlage der Gemeinschaft selbst.

Die frühe Vision der Permakultur, sich die trügerisch idyllische Gartenlandschaften der Vorstädte wiederanzueignen, um dort für deren Bewohner Lebensmittel in Hülle und Fülle anzubauen, hat nicht im großen Stil gefruchtet. Diese Vision kann jedoch auch als Metamodell für einen größeren und tiefgreifenderen Transformationsprozess genommen werden: von abhängigen und bedürftigen Konsumenten hin zu unabhängigen und verantwortungsvollen Produzenten und „Prosumenten“ (vgl. NeueArbeit-NeueKultur, hier und bei Forum Arbeit, hier). Theoretisch könnte sich in einer digital vernetzten Welt der für einen Wandel von oben nach unten erforderliche Konsens über die Notwendigkeit einer echten Energiewende hin zu einer Niedrigenergiekultur erstaunlich schnell ereignen. Doch die Permakultur wendet sich vor allem an jene, die bereits verstehen oder spüren, dass wir tatsächlich an einer Zeitenwende von der Hoch- zur Niedrigenergiegesellschaft stehen und dieser Realität praktisch und integriert Ausdruck verleihen – gleichgültig, ob der Rest der Gesellschaft bereit dazu ist oder nicht.

Theoretisch könnte sich in einer digital vernetzten Welt der für einen Wandel von oben nach unten erforderliche Konsens über die Notwendigkeit einer echten Energiewende hin zu einer Niedrigenergiekultur erstaunlich schnell ereignen. Doch die Permakultur wendet sich vor allem an jene, die bereits verstehen oder spüren, dass wir tatsächlich an einer Zeitenwende von der Hoch- zur Niedrigenergiegesellschaft stehen und dieser Realität praktisch und integriert Ausdruck verleihen – gleichgültig, ob der Rest der Gesellschaft bereit dazu ist oder nicht.

Indem wir uns laufend ins Bewusstsein rufen, wo wir mit unseren Gestaltungslösungen einen Ertrag erzielen und wo nicht, und indem wir einschätzen, inwieweit diese Gestaltungslösungen eine maximale Leistung für uns, unsere Gemeinschaften und unsere Erde erbringen, können wir dem Effizienzwahn entgehen und echte Verantwortung für das, was wir konsumieren, übernehmen.

Wir können die Ideale von Selbstversorgung und Autarkie anstreben und gleichzeitig mit dem Rest der Welt in wacher Empfänglichkeit und Offenheit verbunden sein. Dieses Prinzip hilft uns, diese Imperative menschlicher Erfahrung so zu harmonisieren und zu integrieren, dass sie uns in Zeiten schwindender Energieverfügbarkeit unterstützen. Gleichgültig, ob wir widerstandsfähige heimische Bäume zur Pflanzung eines Windschutzstreifens auswählen, eine Komposttoilette verwenden, uns für eine Hausgeburt entscheiden oder dem Fernseher seinen Status als privilegiertem Haushaltsmitglied aberkennen – immer wenden wir Prinzipien der Selbstregulation an und akzeptieren Feedback. Wenn wir uns in den Prozess der Selbstermächtigung begeben, tragen wir zu einer ausgewogenen, harmonischen Welt bei, die die Gemeinschaft des Lebens und die Menschheit weiterhin tragen und nähren kann (vgl. auch NeueArbeit-NeueKultur, hier und bei Forum Arbeit, hier).

2008 veröffentlichete Rob Hopkins »The Transition Handbook. From oil dependency to local resilience« mit einem Vorwort von Richard Heinberg. Hopkins ist Spezialist für ökologische Planung und gab Universitätskurse in Permakultur. Bereits im selben Jahr erschien die deutschsprachige Übersetzung »Energiewende. Das Handbuch. Anleitung für zukunftsfähige Lebensweisen«. Hopkins versteht sein Energiewende-Handbuch nicht nur als Erörterung von Problemen und Vorstellungen. Es geht ihm auch um Lösungen und ein Modell der Energiewende, das vielleicht das Fundament für die entscheidenden sozialen, politischen und kulturellen Bewegungen des 21. Jahrhunderts liefern kann. Geschichten zu erzählen ist ein zentraler Bestandteil dieses Buches. Man könnte das ganze Buch wie eine Geschichte lesen – die Geschichte der Energiewendebewegung, des wichtigsten Projekts, das in dieser Zeit in Großbritannien durchgeführt wurde. Wir brauchen Geschichten, die Lust machen auf künftige Veränderungen mit all ihren Möglichkeiten, die uns die nötige Kraft geben, um durchzuhalten auf dem Weg in eine neue und nachhaltigere Welt. Die Energiewendebewegung will Geschichten erzählen: davon, was uns am Ende des Abstiegs vom »Peak Oil« – vom höchsten Niveau der Ölförderung – an neuer Lebensqualität erwarten könnte und dass wir unsere Zukunftspläne mit der Stärkung unserer regionalen Resilienz verwirklichen können.

Wer sich mit der Permakultur in Deutschland beschäftigt, wird einen Mangel feststellen: Noch immer gibt es zu wenig europäische Literatur. Dazu sind wir auf die Hilfe derer angewießen, die hier bei uns praktische Arbeit leisten und Erfahrungen sammeln und weitergeben.

Transition Town und Permakultur: Im Rahmen der Transition-Town-Bewegung (etwa „Stadt im Übergang“ oder „Stadt im Wandel“) gestalten seit 2006 Umwelt- und Nachhaltigkeitsinitiativen in vielen Städten und Gemeinden der Welt den geplanten Übergang in eine postfossile, relokalisierte Wirtschaft. Initiiert wurde die Bewegung u. a. Von dem irischen Permakulturalisten Rob Hopkins und Studenten des Kinsale Further Education College in Irland. Ausgehend von der Beobachtung, dass die nationale und internationale Politik nicht entsprechend auf die Herausforderungen des Klimawandels und des bevorstehenden globalen Ölfördermaximums (Peak Oil) reagiert und daher die Kommunen von sich aus mit ersten vorbereitenden Maßnahmen auf eine Zukunft knapper werdender Roh- und Treibstoffe reagieren müssen, initiieren Transition Towns Gemeinschaftsprojekte. Hierzu gehören u. a. Maßnahmen zur Verbrauchsreduktion von fossilen Energieträgern sowie zur Stärkung der Regional- und Lokalwirtschaft. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die Gestaltungsprinzipien der Permakultur, die es insbesondere landwirtschaftlichen, aber auch gesellschaftlichen Systemen ermöglichen sollen, ähnlich effizient und resilient zu funktionieren wie natürliche Ökosysteme.

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Hinweise im Internet:

# Permakultur Dreisamtal, hier.

# Lebensgarten Dreisamtal, hier.

# Naturklang Buchenbach, hier.

# Permakultur-Institut e.V. (gegründet 1983), hier.

# Permakultur-Akademie Deutschland (gegründet 2002), hier.

# Permakultur-Akademie im Alpenraum (PIA), hier.

# Perma Norikum Wels, Oberösterreich, hier.

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Literatur:

Otterpohl, Ralf: Das neue Dorf. Vielfalt leben, lokal produzieren, mit Natur und Nachbarn kooperieren. 2017.

Holmgren, David: Permakultur. Gestaltungsprinzipien für zukunftsfähige Lebensweisen. Mit einem Vorwort von Declan Kennedy. 2016, hier.

Whitefield, Patrick: Was wir für die Erde tun können. Unsere Lebensräume nach dem Vorbild der Natur zukunftsfähig gestalten und nutzen. 2014, hier.

Voices of Transition. Ein Film von Nils Aguilar. Milpa Films. 2012, hier.

Mollison, Bill: Handbuch der Permakultur-Gestaltung. 2012.

Hopkins, Rob: Energiewende. Das Handbuch. Anleitung für zukunftsfähige Lebensweisen. Mit einem Vorwort von Richard Heinberg. 2008.

Hopkins, Rob: The Transition Handbook. From oil dependency to local resilience. 2008.

Whitefield, Patrick: Waldgarten. Das große Handbuch. Biologischer Obst-, Gemüse- und Kräuteranbau auf mehreren Ebenen. 2007.

Fleming, David: The Lean Guide to Nuclear Energy. A life cycle in trouble. 2007.

Fleming, David: Lean Logic. A Dictionary of Environmental Manners. Unveröffentlichtes Manuskript. 2007.

Whitefield, Patrick: Permakultur kurz & bündig. Schritte in eine ökologische Zukunft. 2007.

Heinberg, Richard: Peak Everything. Waking up to the Century of Declines. 2007.

Fleming, David: Energy and the Common Purpose. Descending the Energy Staircase with Tradable Energy Quotas (TEQs). 2005.

Heinberg, Richard: The Party’s over. Das Ende der Ölvorräte und die Zukunft der industrialisierten Welt. Mit einem Nachwort von Hans-Peter Dürr. 2004.

Heinberg, Richard: Powerdown. Options and Actions for a Post-carbon World. 2004.

Campbell, Colin; Liesenborghs, Frauke; Schindler, Jörg; Zittel, Werner: Ölwechsel! Das Ende des Erdölzeitalters und die Weichenstellung für die Zukunft. 2002.

Odum, Howard; Odum, Elisabeth: A Prosperous Way Down. Principles and Policies. 2001.

Hawken, Paul; Lovins, Amory; Lovins, Hunter: Öko-Kapitalismus. Die industrielle Revolution des 21. Jahrhunderts. Original englisch: Natural Capitalism. Creating the next Industrial Revolution (1999). 2000.

Campbell, Colin: The Coming Oil Crises. 1997.

Odum, Howard: Environmental Accounting. EMERGY and Environmental Decision Making. 1996.

Mollison, Bill: Permaculture Design Course 1994-1995, hier.

Mollison, Bill: Permakultur konkret. Entwürfe für eine ökologische Zukunft. 1989.

Mollison, Bill; Permaculture. A Designers‘ Manual. 1989.

Mollison, Bill; Holmgren, David: Permakultur. Leben und Arbeiten im Einklang mit der Natur. Mit einem Vorwort von Margrit und Declan Kennedy. Original englisch: Permaculture One (1978.) 1984.

Mollison, Bill; Holmgren, David: Permakultur II. Praktische Anwendungen. Original englisch: Permaculture Two. Practical Design for Town and Country in Permanent Agriculture (1979). 1983.

Fukuoka, Masanobu: Der große Weg hat kein Tor. Original englisch: The One-Straw Revolution (1975). 1983.

Mollison, Bill: Permaculture Design Course 1981. o.J..

Mollison, Bill; Holmgren, David: Permaculture Two. Practical Design for Town and Country in Permanent Agriculture. 1979.

Mollison, Bill; Holmgren, David: Permaculture One. 1978.

Fukuoka, Masanobu: The One-Straw Revolution. 1975.

Meadows, Donella; Meadows, Dennis; Randers, Jørgen, Behrens, William: The Limits to Growth. A Report for the Club of Rome’s Project on the Predicament of Mankind. 1972, hier.

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