Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf

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Wenn wir, um unseren Planeten zu retten und den Treibhauseffekt umzukehren, künftig auf alle fossilen Brennstoffe und petrochemischen Produkte ebenso verzichten wollen, wie auf die Abholzung unserer Wälder zur Gewinnung von Papier und landwirtschaftlichen Nutzflächen, dann gibt es nur eine Pflanze, die als nachwachsender Rohstoff in der Lage ist, den größten Teil an Papier, Textilien und Nahrungsmitteln sowie des privaten und industriellen Energieverbrauchs zu liefern, und die zugleich die Umweltverschmutzung eindämmt, die Böden verbessert und unsere Luft reinigt: es ist eine alte Gefährtin, die dies schon immer für uns getan hat: Cannabis, Hanf, Marihuana“ (Jack Herer).

Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf“ gehört zu den absoluten Klassikern der Szene und bedarf wohl kaum einer gesonderten Vorstellung. Dieses Buch hat wohl wie kein anderes die Legalisierungsbewegung beeinflusst und vorangetrieben. Sein Verfasser Jack Herer ist 2010 verstorben und konnte leider den grandiosen Wahlsieg in Colorado und Washington nicht mehr miterleben, doch hat er viel dazu beigetragen, diesen Sieg zu erzielen. 20 Jahre ist es jetzt her, dass das Buch zum ersten Mal erschienen ist und dennoch hat es nichts an seiner Aktualität verloren. 123.000 Exemplare wurden bisher gedruckt. Anlässlich der 42. Auflage und Jubiläumsausgabe wurden dem Herausgeber der deutschen Ausgabe Mathias Bröckers ein paar Fragen zum Buch gestellt. Hier eine Zusammenfassung.

Mit dem Buch „Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf“ von 1993 haben die Menschen in Deutschland, in Europa und vorher auch schon in Amerika wieder begonnen, von Hanf zu reden und nicht mehr nur von ‚Hasch‘ oder von ‚Drogen‘. Hanf in seiner Gänze ist wieder ins Blickfeld geraten. Die ganzen Aspekte, die recherchiert und für das Buch zusammengetragen wurden, sind nach wie vor höchst relevant. Sprich zum Beispiel die medizinische Anwendung. Damals hat Brökers Anrufe von Ärzten bekommen, die dachten, die Autoren hätten uns die Fakten, die sie im Buch erwähnen nur in ihren bekifften Köpfen ausgedacht. Sie wollten nicht glauben, dass das alles Fakten sind und dass Hanf eine der ältesten Heilpflanzen der Welt ist. Was die Nutzpflanze angeht, hat sich das jetzt ein Stück weit geändert. Dass man aus Hanf Textilien, Öl und Energie gewinnen kann, war damals unbekannt. Heute haben sich diese Tatsachen wieder etwas etabliert – noch nicht auf den Feldern, aber zumindest in den Köpfen der Leute. Was Herer und Brökers in dem Buch angeschnitten und gefordert haben, ist bis heute nicht realisiert und deswegen gab es 2013 die 42. Auflage.

Es war damals nicht damit zu rechnen, dass Jack und Mathias ein Standartwerk schaffen würden, dass jeder, der sich mit Hanf in irgendeiner Form befasst im Regal stehen hat.

Mathias hatte das Buch von Jack, das damals noch gar kein richtiges Buch war, sondern eher eine Broschüre, in die Hände bekommen. Damals in den 80er Jahren war Brökers bei der TAZ als Redakteur tätig und hatte schon öfter für sie drogenpolitische Themen bearbeitet. Die darin enthaltenen Informationen waren Brökers zum großen Teil neu. Er hat einigen Verlegern erzählt, dass es in den USA ein neues und interessantes Buch gibt, doch keiner war interessiert bzw. wollte sich die Mühe machen es zu übersetzen. 1992 habe ich mich dann nochmal an den Verlag Zweitausendeins gewendet. Sie waren interessiert, aber meinten, dass es in der Form zu ‚freaky‘ wäre und dass man daraus ein seriöses Buch machen müsste. Sie haben Brökers angeboten die Redaktion und die Herausgeberschaft zu übernehmen und eigene Recherchen beizusteuern, zu dem was in Deutschland und Europa mit Hanf passiert ist. Das hat Brökers dann getan. Er ist selbst in die Archive und Bibliotheken und hat sich in das Thema eingearbeitet. Es wurde immer spannender und er hat festgestellt, dass sich seit dem 2. Weltkrieg niemand mehr um das Thema gekümmert hat. Nachdem Brökers alle Informationen zusammengestellt hatte, schickte er das Ergebnis an den Verlag, doch der meinte uns würde das alles niemand glauben und es bräuchte noch irgendein Gutachten von einer seriösen wissenschaftlichen Institution. So einen ‚Hippi‘ aus den USA und einen TAZ-Redakteur würde keiner ernst nehmen. Bökers konnte daraufhin das Katalyse Institut dafür gewinnen eine Studie auf wissenschaftlicher Basis über Hanf zu machen. Diese wurde dann an das Buch ran gehängt und so ist es erschienen.

Die aller erste Rezension erschien damals in der Zeit und war ein totaler Verriss. Das stand so was wie: „da sind ein paar durchgeknallte Kiffer, die erzählen was von Öko und Medizin, aber eigentlich wollen sie nur legal kiffen…“. Das hat sich dann aber recht schnell geändert. Im Spiegel und in anderen Zeitungen erschienen sehr gute, ausführliche Besprechungen, von Leuten, die unsere Arbeit anerkannt haben.

Wir haben den Hanfanbau in Brandenburg per Gerichtsverfahren durchgesetzt und Hanf wieder auf die Felder bekommen. Damals gab es noch keine Erntemaschinen für Hanf. Als wir unsere erste Ernte hatten, war auch die Presse eingeladen. Die Pflanzen waren vier Meter hoch und schon nach wenigen Metern ist der Mähbalken kaputt gegangen. Es gab damals keine Technologie, um diese mächtigen Pflanzen zu ernten. Dies hat sich mittlerweile geändert. Ben Dronkers, der Gründer von Sensi Seeds, hat Hempflax gegründet und viel Geld in die Erforschung der Maschinerie und der Technik gesteckt. Es hat sich ja seit dem Krieg kein Ingenieur darum gekümmert. Es hat sich sehr viel getan, dennoch sorgt die Prohibition dafür, dass die landwirtschaftliche Nutzung nur schleppend voran geht.

1994 hat Matthias Bröckers mit Jack eine große Tour gemacht, durch zehn deutsche Städte, auch Freiburg im Breisgau war dabei. Wir haben das Buch vorgestellt und Diskussionen geführt. Ich habe gesagt „in diesem Jahrtausend werden wir es nicht mehr erleben.“ Die Leute meinten damals, ich solle nicht so pessimistisch sein, denn jeder der das Buch gelesen hat, war der Meinung, dass sich Übermorgen alles ändern müsste. 20 Jahre später kann ich mich immer noch maßlos darüber aufregen, was alles an falscher Politik betrieben wird und würde sagen, dass muss morgen aufhören. Nachdem die USA vorangegangen sind, würde ich sagen, dass es bei uns noch ca. zehn Jahre dauert, bis die Basis geschaffen ist, dass Hanf legal konsumiert und verkauft werden darf, dass Hanf als Medizin legal ist und dass wir das Potenzial der Pflanze auch wieder richtig nutzen. Weiterlesen.

Zugriff am 21. Juni 2018, hier.

 

 

Ergänzende Hinweise:

# Vom Hanfanbau bis zur Kornernte. Videofilm, hier.

# Die Macher: Hanf aus der Uckermark. KenFM, 93′. 2018, hier.

# Hanf – Der verkannte Rohstoff. BR alpha: Faszination Wissen, 30 Minuten. 2012, hier.

# Hanfbauer werden, hier.

# Mathias Bröckers im Gespräch über die Nutzpflanze Hanf mit Michael Vogt beim Alpenparlament TV. 2011, hier.

# Baut Hanf. Die lustige Hanffibel. Herausgegeben vom Reichsnährstand Berlin, 1942. Hier und hier.

 

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