Waldgarten im Winterschlaf- Zeit für einen Rückblick

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Ein ereignisreiches Jahr ist vorüber und es wird Zeit für einen ersten Rückblick auf die vergangenen Geschehnisse am Deicheleweiher. Der Herbst brachte noch einmal wesentliche Aspekte zu Tage, die die Zukunft des Waldgartens mit beeinflussen werden. Doch erst einmal der Reihe nach (siehe auch die Berichte „Waldgarten Wiehre nimmt Form an“ und „Erste Bäume für den Waldgarten„)…

Sonne

links: Pflanzenmischungen wenige Tage nach der Aussaat
mitte: Pflanzenmischungen im Sommer
rechts: Pflanzenmischungen im Herbst

 Nach der Aussaat unserer Blühpflanzenmischung sowie Hafer und Wicke im Frühjahr waren diese bald aufgelaufen und streckten ihre Blüten gen Sonne. Vor allem Sonnenblumen, aber auch Nelken, Wicken, Malven und Klee dominierten im ersten Jahr das Bild- nicht zuletzt zur Freude der SpaziergängerInnen. Hafer und Wicke unterdrückten durch ihren schnellen Wuchs erfolgreich die konkurrenzstarke Quecke und Hahnenfuß und die Blühpflanzenmischung hielt bisher erfolgreich die Wildschweine vom alljährlichen Umgraben der Wiese ab. Darüber hinaus wurden erste Josta- und Johannisbeersträucher für den Fruchtsaum gepflanzt und eine Weidensitzgelegenheit geschaffen. Nach dem Verblühen von Sonnenblume & Co wurde die Fläche gesenst und die organische Masse zu einer Kompostmiete aufgesetzt.

Aussaaten

links: Samen von Wicke und Hafer
mitte links: Eggen zur Vorbereitung der Fläche für die Aussaat
mitte: Aussäen der Pflanzenmischungen
mitte rechts: Wicke und Hafer (links) und Sonnenblumen (rechts) im Sommer
rechts: Blühstreifen und Blühpflanzenmischung im Herbst

Abseits des Deicheleweiher  steckte man die Köpfe zusammen und ließ die Finger über die Tasten fliegen- Organisation und Planung des Waldgartens liefen parallel zu den Aktionstreffen und verlangten mehr und mehr Zeit und Aufmerksamkeit. Die Kommunikation der Idee eines Waldgartens und der Abgleich von Rahmenbedingungen und Möglichkeiten wurden zu immer größeren Herausforderungen.

Die ersten Bäume standen bereits zum Einpflanzen bereit, als doch noch einmal ein Schritt zurück gesetzt werden musste. Missverständnisse über die Art der Flächennutzung (ist ein Waldgarten lediglich ein Garten im Wald oder ein Garten mit Waldelementen?) zwangen die WaldgärtnerInnen, die herantransportierten Obstbäume über den Winter und bis zum Frühjahr 2014 einzuschlagen. Sie ruhen nun sicher im sandigen Boden am Rand des Sternwaldes und warten darauf, bald eingepflanzt zu werden.

Elemente

links: Weidenkreuz der Weidensitzgelegenheit
mitte links: Beerensträucher des Fruchtsaumes
mitte rechts: Sonnenblumenblüten augehängt in Bäumen für Vögel
rechts: Einschlagen der Obstbäume

Beim runden Tisch zum Thema Urbanes Gärtnern im Freiburger Garten- und Tiefbauamt wurde dann kontrovers über die rechtlichen Rahmenbedingungen des Urbanen Gärtnerns auf öffentlichen Grünflächen diskutiert. Die Idee des Waldgartens wurde vorgestellt, um eine gemeinsame Diskussionsgrundlage zu haben.

Fazit

Fazit der beim runden Tisch vorgestellten Präsentation zur Idee des Waldgartens am Deicheleweiher

Weitere Treffen Anfang 2014 werden zeigen, wie viele Bäume auf der Wiese des Deicheleweiher gepflanzt werden dürfen. Kernpunkt der Diskussion waren die seitens der Stadt benötigten Nutzungsverträge, die dem bürgerschaftlichen Engagement auf Grünflächen einen rechtlichen Rahmen geben sollen. Wie diese Verträge aussehen können und welche Möglichkeiten Grünflächen als solche dem Urbanen Gärtnern überhaupt zu bieten vermögen wird in weiteren Diskussionen herausgearbeitet werden müssen. Herausfordernd ist dabei vor allem die Beantwortung folgender Fragen:

  1. Ist es möglich, der Vielfalt und Veränderlichkeit des Urbanen Gärtnerns mit einem allgemeinen Vertragsentwurf gerecht zu werden oder benötigt jede Gärtner-Initiative einen gesonderten Vertrag? Sind überhaupt Verträge für bürgerschaftliches Engagement im Bereich des Urbanen Gärtnerns nötig?
  2. Wer übernimmt die Verkehrssicherungspflicht und Haftung für die Flächen des Urbanen Gärtnerns?
  3. Wie kurz- oder langfristig sind die Flächen für das Urbane Gärtnern ausgelegt und wie willkommen sind mehrjährige Pflanzen, Sträucher und Bäume?
  4. Wie sehen akzeptable Kündigungsfristen und Rückbaumaßnahmen aus, vor allem wenn mit mehrjährigen Arten gearbeitet wird?
  5. Wird das Urbane Gärtnern mit seinen dauerhaften Strukturen wie Bäumen und Sträuchern mit in die städtische Grünplanung aufgenommen?
  6. Welchen rechtlichen Rahmen hat das Urbane Gärtnern auf öffentlichen Grünflächen? Wie lassen sich Präzedenzfälle vermeiden? Ist es möglich, für das Urbane Gärtnern eigene Flächenkategorien zu kreieren, wie es New York und London getan haben?
Planungne

Beim runden Tisch vorgestellte Planungen:
links: Aktueller Stand des Waldgartens im Herbst 2013
rechts: grobe Zukunftsvision des Waldgartens in 5-10 Jahren

Eines steht fest: die Gruppe an GärtnerInnen, die sich um den Waldgarten geschart hat, wird den Winter nutzen, um eigene Antworten auf offenen Fragen zu finden und ihre Vision eines für alle zugänglichen, ess- und genießbaren Lebensraum weiterträumen. Konkrete Aufgaben für die nahe Zukunft sind:

  1. Das Bilden einer Kerngruppe, die sich um die allgemeine Organisation und Kommunikation mit dem Garten- und Tiefbauamt kümmert
  2. Das Sicherstellen der internen Informationsweitergabe mit geeigneten Medien
  3. Öffenlichkeitsarbeit (Informieren der Öffentlichkeit über die Idee des Waldgartens mit geeigneten Medien)
  4. Netzwerken und das Herstellen sinnvoller Verknüpfungen zur Nachbarschaft, Institutionen, Vereinen, Schulen, Kindergärten usw.
  5. Die Planung und sukzessive Umsetzung der Waldgarten-Idee

Um diese Aufgaben angehen zu können, hat sich die Gruppe einen regelmäßigen Rhythmus gegeben: Offene Treffen sind jeweils am zweiten Sonntag im Monat um 17 Uhr (Ort variabel). Das nächste Treffen findet allerdings statt am 12.01.2014 um 17 Uhr im Alten Wiehrebahnhof. Die Gruppe ist offen für alle! Bei Interesse freuen wir uns über eure Email an: urbanes.gaertnern [at] ttfreiburg [dot] de

 

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